Skip to content

Angiotensin

Angiotensin ist eine Gruppe biologisch aktiver Peptide, die eine zentrale Rolle bei der Regulation von Blutdruck, Flüssigkeitshaushalt und Gefäßtonus spielt. Besonders bedeutend ist Angiotensin II, die physiologisch wirksamste Form dieses Systems. Angiotensin ist Bestandteil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) und fungiert als kraftvoller Steuerfaktor zur Aufrechterhaltung der Kreislaufstabilität.

Charakteristisch für Angiotensin ist seine schnelle und durchgreifende Wirkung. Als Peptid wirkt es über membranständige Rezeptoren und kann innerhalb kurzer Zeit den Gefäßwiderstand, die Nierendurchblutung und die hormonelle Regulation beeinflussen. Angiotensin verbindet damit kurzfristige Kreislaufanpassung mit langfristiger Volumen- und Elektrolytsteuerung.

Welche Funktionen erfüllt Angiotensin im Körper?

  • Regulation des Blutdrucks: Angiotensin II verengt Blutgefäße (Vasokonstriktion) und erhöht dadurch den systemischen Blutdruck.
  • Steuerung des Flüssigkeitshaushalts: Es fördert indirekt die Rückhaltung von Wasser über hormonelle und renale Mechanismen.
  • Aktivierung der Aldosteronfreisetzung: Angiotensin II stimuliert die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Aldosteron.
  • Einfluss auf die Nierenfunktion: Es reguliert die Durchblutung der Nieren und beeinflusst die Rückresorption von Natrium.
  • Stimulation des Durstgefühls: Angiotensin wirkt auf das zentrale Nervensystem und erhöht das Durstempfinden.
  • Unterstützung der Kreislaufanpassung: Bei Volumenmangel oder Blutdruckabfall trägt Angiotensin zur Stabilisierung bei.

Wie wirkt Angiotensin im Körper?

Die Wirkung von Angiotensin folgt einer klaren biochemischen Abfolge:

  1. Bildung aus Angiotensinogen: Angiotensinogen wird in der Leber gebildet und durch Renin zu Angiotensin I gespalten.

  2. Umwandlung zu Angiotensin II: Das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) wandelt Angiotensin I in Angiotensin II um.

  3. Bindung an AT-Rezeptoren: Angiotensin II bindet vor allem an AT₁-Rezeptoren auf Zielzellen.

  4. Aktivierung von Signalkaskaden: Es kommt zur Vasokonstriktion, Natriumrückhaltung und Hormonfreisetzung.

  5. Kurz- und langfristige Effekte: Angiotensin wirkt schnell, kann aber auch strukturelle Anpassungen beeinflussen.

Wie wird das Angiotensin-System reguliert?

Die Aktivierung erfolgt bei:

  • Abfall des Blutdrucks
  • Niedrigem Natriumgehalt im Blut
  • Verminderter Nierendurchblutung

Gegenregulatorisch wirken unter anderem natriuretische Peptide sowie Angiotensin (1–7), die gefäßerweiternde Effekte besitzen.

Was passiert, wenn Angiotensin aus dem Gleichgewicht gerät?

Gerät Angiotensin – insbesondere Angiotensin II – aus dem Gleichgewicht, hat das tiefgreifende Auswirkungen auf Blutdruck, Gefäßtonus, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sowie Herz- und Nierenfunktion. Ein Überschuss an Angiotensin II führt zu einer anhaltenden Verengung der Blutgefäße, wodurch der Blutdruck steigt und das Herz gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten muss. Gleichzeitig stimuliert Angiotensin II die Ausschüttung von Aldosteron und ADH, was eine verstärkte Rückhaltung von Natrium und Wasser zur Folge hat. Das Blutvolumen nimmt zu, der Blutdruck steigt weiter, und es entsteht ein Kreislauf, der langfristig zu Bluthochdruck, Herzvergrößerung, Gefäßschäden und Nierenbelastung führen kann. Zusätzlich wirkt Angiotensin II entzündungsfördernd und begünstigt strukturelle Umbauprozesse in Herz und Gefäßen, was das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz erhöht.

Ein Mangel oder eine abgeschwächte Wirkung von Angiotensin II hat dagegen zur Folge, dass die Gefäße weniger stark kontrahieren und die Rückhaltung von Natrium und Wasser vermindert ist. Dies kann zu niedrigem Blutdruck, Schwindel, Kreislaufinstabilität und reduzierter Belastbarkeit führen. Besonders bei Lagewechseln oder körperlicher Belastung kann es zu Schwäche oder Benommenheit kommen, da der Körper nicht ausreichend in der Lage ist, den Blutdruck schnell zu stabilisieren. Auch die Durchblutung lebenswichtiger Organe, insbesondere der Nieren, kann in solchen Situationen beeinträchtigt sein.

Da Angiotensin eng mit Aldosteron, ADH und dem Sympathikus zusammenarbeitet, bleibt eine Fehlregulation selten isoliert. Chronischer Stress, Flüssigkeitsmangel, Nierenerkrankungen, Entzündungsprozesse oder langfristige Fehlanpassungen des Lebensstils können das RAAS dauerhaft aktivieren oder hemmen. Für körperlich aktive Menschen kann eine Überaktivierung des Angiotensin-Systems zu schnellerer Ermüdung, erhöhter kardiovaskulärer Belastung und verzögerter Regeneration führen.

Zusammengefasst bedeutet ein Ungleichgewicht von Angiotensin, dass die feine Regulation von Blutdruck, Gefäßspannung und Volumenhaushalt verloren geht. Kurzfristig äußert sich dies in Leistungs- und Kreislaufproblemen, langfristig kann es zu strukturellen Schäden an Herz, Gefäßen und Nieren kommen. Eine stabile Angiotensin-Regulation ist daher essenziell für die kardiovaskuläre Gesundheit und die langfristige Anpassungsfähigkeit des Körpers.

Fazit

Angiotensin ist ein zentrales Regulationspeptid des Kreislaufsystems und ein Schlüsselfaktor der Blutdruck- und Volumensteuerung. Als Bestandteil des RAAS verbindet es Nierenfunktion, Gefäßtonus und hormonelle Regulation zu einem fein abgestimmten System. Durch seine schnelle Wirkung und präzise Kontrolle trägt Angiotensin entscheidend zur Stabilität des inneren Gleichgewichts bei.