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Amylase

Amylasen sind zentrale Enzyme des menschlichen Verdauungssystems und spielen eine entscheidende Rolle beim Abbau stärkehaltiger Nahrungsmittel. Unter dem Begriff „Amylase“ fasst man eine Gruppe von Enzymen zusammen, die darauf spezialisiert sind, Stärke und andere Polysaccharide in kleinere Zuckerbausteine wie Maltose, Maltotriose und schließlich Glucose zu zerlegen. Die wichtigsten Amylasen entstehen in den Speicheldrüsen und in der Bauchspeicheldrüse – daher unterscheidet man in der Verdauungsphysiologie vor allem zwischen Speichelamylase und Pankreasamylase. Amylasen gehören zu den ältesten Enzymen der Evolution: Bakterien, Pflanzen und Pilze produzieren sie, um Stärke als Energiequelle nutzbar zu machen. Auch industriell haben Amylasen große Bedeutung – etwa in der Lebensmittelherstellung, beim Bierbrauen, in der Textiltechnik und in biotechnologischen Anwendungen. Sie arbeiten optimal im leicht neutralen bis leicht alkalischen pH-Bereich, passend zu den Bedingungen im Mundraum und im Dünndarm. Extreme pH-Werte oder sehr hohe Temperaturen können die Struktur der Amylase jedoch schnell denaturieren. Ihre Spezifität, natürliche Häufigkeit und die zentrale Rolle im Kohlenhydratabbau machen Amylasen zu einem bedeutungsvollen Enzymsystem der menschlichen Ernährung.

Wirkung und Funktionsweise

Die Funktionsweise der Amylase folgt einem präzisen enzymatischen Ablauf:

  1. Erkennung und Bindung: Die Amylase bindet an lineare oder verzweigte Stärke- bzw. Glykogenmoleküle. Das aktive Zentrum des Enzyms ist darauf ausgelegt, die α-1,4-glycosidischen Bindungen dieser Polysaccharide optimal zu erfassen.
  2. Spaltung des Polysaccharids: Amylasen katalysieren die Hydrolyse der Bindungen, die die Glucoseeinheiten miteinander verbinden. Je nach Amylasetyp entstehen dabei kleine Oligosaccharide, Maltose oder freie Glucose.
  3. Freisetzung der Abbauprodukte: Die entstandenen Zuckerbausteine stehen dem Körper zur weiteren enzymatischen Spaltung oder direkten Aufnahme zur Verfügung. Die Amylase selbst bleibt unbeeinflusst und kann weitere Substrate umsetzen.

Arten von Amylasen

Amylasen bilden eine vielfältige Enzymfamilie. Zu den wichtigsten funktionellen Gruppen zählen:

  • α-Amylase: Die bedeutendste Form im Menschen. Spaltet α-1,4-glycosidische Bindungen in Stärke und Glykogen. Unterteilt in:

    • Speichelamylase (Ptyalin): Beginn der Stärkeverdauung bereits im Mund.
    • Pankreasamylase: Hauptakteur im Dünndarm; zerlegt große Stärkemoleküle effizient in kleinere Zuckerbausteine.
  • β-Amylase: Kommt nicht im Menschen, aber in Pflanzen und Mikroorganismen vor. Spaltet Stärke vom Rand aus schrittweise zu Maltose. Besonders wichtig bei der Keimung von Getreide und in der industriellen Stärkeverarbeitung.

  • γ-Amylase (Glucoamylase): Kann sowohl α-1,4- als auch α-1,6-Bindungen spalten und damit verzweigte Stärke vollständig bis zur Glucose abbauen. Wird häufig industriell eingesetzt, z. B. bei der Herstellung von Glucosesirup.

Diese unterschiedlichen Amylaseklassen ergänzen sich funktionell und ermöglichen den Abbau selbst komplexester Kohlenhydratstrukturen.

Fazit

Amylase ist weit mehr als ein Verdauungsenzym – sie ist ein biologisches Werkzeug, das die Energiegewinnung aus Stärke überhaupt erst möglich macht. Durch ihre frühe Aktivität bereits im Mund, ihre zentrale Rolle im Dünndarm und ihre Vielfalt in Natur und Industrie gehört die Amylase zu den bedeutendsten Enzymen des Kohlenhydratstoffwechsels. Ihre Präzision, Evolutionstiefe und universelle Nutzung machen sie zu einem der faszinierendsten Enzyme der Biochemie.