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Licorice Root

Licorice Root / Süßholzwurzel

Die Staude gehört zu den Schmetterlingsblütengewächsen. Sie kann bis zu 2 m hoch werden. Die gelben, holzigen und etwa fingerdicken Wurzeln treiben mehrere Meter lange Ausläufer, aus denen oberirdisch aufrechte, stielrunde bis kantige Triebe wachsen. Sie tragen wechselständige, 3-7 unpaarig gefiederte, unterseits klebrige (Drüsen als Punkte erkennbar) Blätter. Die Blüten stehen in den Blattachseln in vielblütigen Trauben. Die Einzelblüten besitzen eine blassviolette Fahne. Die bräunlichen Samen entwickeln sich in kahlen Hülsen.

  • Sammelzeit: März, April und September, Oktober
  • Sammelgut: Wurzeln

Die Süßholzwurzel besaß in den großen asiatischen und europäischen Kulturen eine herausragende Bedeutung. In China gehört sie noch heute zu den zehn bedeutendsten Heilpflanzen (1). Römer und Griechen verwendeten sie bei Asthma. Die Skythen nutzten ihre wasserretinierende Wirkung bei der Durchquerung von Wüsten um bis zu 12 Tagen ohne jede Flüssigkeitszufuhr auszukommen. In der arabischen Welt erfreut sich noch heute ein durststillender Trunk aus Süßholzwurzel großer Beliebtheit. In Russland wurden Süßholzwurzelextrakte zur Therapie der Nebenniereninsuffizienz angewendet. Die entzündungshemmenden Effekte nutzte zuerst der holländische Arzt Revers zur Therapie von Magengeschwüren. In Japan wird eine Kombination von Süßholzwurzel mit Pfingstrose zur Ovulationsauslösung bei hyperandrogenetischen Frauen ausgenutzt. Israelische Studien belegen eine Wirkung bei verschiedenen Herpesvirus, In Houston, Texas, forschte ein Team um Prof. Vogel an antikanzerogenen Effekten. Und nicht zuletzt erfreut sich die Süßholzwurzel als Ausgangsstoff für Lakritze besonders in Nord- und Mitteleuropa einer großen Beliebtheit. Doch damit ist das breite Wirkungsspektrum der Süßholzwurzel bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Deglycyrrhinierte Süßholzwurzel/Lakritze vs. reguläre Süßholzwurzel

Glycyrrhizin ist eine der in der Süßholzwurzel enthaltenen aktiven Verbindungen, die eine Reihe von Gesundheitswirkungen, aber auch einige signifikante Nebenwirkungen wie eine Erhöhung des Blutdrucks besitzt (2).

Bei deglycyrrhinierter Süßholzwurzel bzw. Lakritze wurde das Glycyrrhizin entfernt, um dessen Wirkungen zu verhindern. Ohne Glycyrrhizin wird Süßholzwurzel nicht mit irgendwelchen unerwünschten Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, behält jedoch einige ihrer wünschenswerten Eigenschaften. Supplements aus deglycyrrhinierter Süßholzwurzel weisen keine der Nebenwirkungen von Glycyrrhizin oder Glycyrrhizinsäure auf (2). Deglycyrrhinierte Süßholzwurzel wird typischerweise verwendet, um Magengeschwüre und andere Verdauungsprobleme zu behandeln.

Aktive Inhaltsstoffe

Glycyrrhizin

Glycyrrhizin ist die primäre aktive Verbindung in der Süßholzwurzel, welche im Verdauungstrakt in Glycyrrhizinsäure umgewandelt wird. Bei Glycyrrhizinsäure handelt es sich um einen potenten Hemmstoff für ein Enzym (11-ß-HSD), das Kortisol in eine weniger aktive Form (Kortison) umwandelt, was bedeutet, dass in Süßholzwurzel enthaltenes Glycyrrhizin die Kortisolspiegel erhöht (2, 3). Die Leber baut Glycyrrhizinsäure ab, aber eine Einnahme von zu viel Süßholzwurzel kann zu einer toxischen Akkumulation von Glycyrrhizinsäure führen.

Glabridin

Glabridin ist das in den größten Mengen in der Süßholzwurzel vorkommende Flavonoid. Erste Untersuchungen legen nahe, dass es sich bei Glabridin um einen antioxidativen, entzündungshemmenden und neuroprotektiven Wirkstoff handelt. Dieses Flavonoid wird vom menschlichen Körper gut absorbiert, doch es bedarf weiterer Studien, um seine Wirkungen vollständig zu verstehen (4).

Licochalcone A

Licochalcone A (LicoA) ist ein Polyphenol, das potentielle antiparasitische, antibakterielle und Antikrebswirkungen besitzt (5). Es wirkt Entzündungen entgegen, indem es die Lipopolysaccharid Signalisierung, COX-2 und durch UV Licht induzierte Schädigungen hemmt. Es könnte außerdem vor Krebs schützen, indem es die Akt/mTOR Pfadwege hemmt (5).

Isoliquiritigenin

Isoliquiritigenin besitzt potentielle antioxidative, entzündungshemmende und Antitumorwirkungen. Es weist eine hohe Affinität für Leber, Nieren und Darm auf (6). Es wird von Ratten gut absorbiert, weist jedoch nur eine Bioverfügbarkeit von 12% auf, was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Leber und Verdauungstrakt den größten Teil aufbrechen (6).

Glabrene

Glabrene ist ein in Süßholzwurzelextrakt enthaltenes Isoflavonoid. Es bindet an die Östrogenrezeptoren an und aktiviert östrogeregulierte Gene (7). Glabrene kann Östrogen nachahmen (7), was nahelegt, dass es bei Frauen in der Menopause einen Knochenabbau verhindern und eine Abnahme der Herz-Kreislauffunktion verlangsamen könnte. Es bedarf jedoch weiterer klinischer Studien, um herauszufinden, ob Glabrene sicher und effektiv ist.

Coumarine

Coumarine sind Verbindungen, die einen süßen Geruch aufweisen. Das primäre in der Süßholzwurzel enthaltene Coumarin ist Glycycoumarin, welches von Tieren gut absorbiert wird (8, 9).

Andere Verbindungen

  • Formononetin (10)
  • Glisoflavone (11)[
  • Hispaglabridine A und B (12)
  • Rutin (13)
  • Isoanguston A (14)
  • Prunetin (15)
  • Dehydroglyasperin C (16)

Mögliche Gesundheitsvorzüge der Süßholzwurzel

Süßholzwurzel könnte Entzündungen reduzieren

Im Rahmen einer Analyse von 93 klinischen und zellbasierten Studien konnte beobachtet werden, dass Süßholzwurzel entzündungshemmende Eigenschaften besitzt (1).

Süßholzwurzel förderte die Aktivität regulierender T-Zellen bei Mäusen, was nahelegt, dass diese Heilpflanze vor Autoimmunerkrankungen und entzündlichen Erkrankungen schützen kann (17). Die Lipopolysaccharid (LPS) Aktivität, die TNF-alpha Produktion und die NF-kB Aktivität führen alle zu Entzündungen im Gehirn. Eine Behandlung mit Dehydroglyasperin C (ein in Süßholzwurzel enthaltenes Flavonoid) stoppt die entzündungsfördernde Aktivität im Gehirn und hilft dabei, einen Zelltod der Neuronen zu verhindern (16).

Ein Ethanolextrakt der Süßholzwurzel reduzierte außerdem bei Mäusen alkoholinduzierte Leberschäden, indem es Schlüsselmarker für Leberentzündungen reduzierte (18).

Süßholzwurzel könnte Entzündungen des Darm lindern und bei Magengeschwüren helfen

Im Rahmen einer klinischen Studie mit120 Probanden hat sich Süßholzwurzel als gute begleitende Behandlung in Kombination mit einer Standard Clarithromycin Dreifachtherapie bei der Behandlung von Helicobacter pylori Bakterien erwiesen. Süßholzwurzel konnte die Abtötungsrate der H. pylori Bakterien um etwa 20% steigern (19).

Im Rahmen einer anderen Untersuchung mit 50 Probanden mit Dyspepsie – eine Variante von Verdauungsstörungen – half Süßholzwurzel dabei, Symptome von Übelkeit, Magenverstimmungen und Magenschmerzen zu reduzieren (20).

Bei Ratten, die unter durch Aspirin hervorgerufenen Magengeschwüren litten, reduzierte Süßholzwurzel Anzahl und Größe der Geschwüre (21).

Auch wenn die Hinweise limitiert sind, legen sie doch nahe, dass Süßholzwurzel bei Verdauungsstörungen und Magengeschwüren helfen könnte.

Süßholzwurzel könnte bei Symptomen der Menopause helfen

Im Rahmen ein klinischen Studie mit 60 Frauen in der Menopause war Süßholzwurzel effektiver als eine Hormontherapie, wenn es darum ging, die Dauer von Hitzewallungen zu reduzieren, besaß jedoch keinen Einfluss, auf die Intensität der Hitzewallungen. Im Rahmen einer anderen Studie mit über 200 Frauen half ein Pflanzenextrakt mit Liquiritigenin bei Hitzewallungen während der Menopause (22, 23).

Glabridin, Liquiritigenin und Glabrene weisen östrogenähnliche Aktivitäten auf, die Frauen dabei helfen könnten, die niedrige Östrogenspiegel aufweisen, wie dies während der Menopause der Fall ist (24, 25).

Bei Zellkulturen besaß Glabridin ähnliche Wirkungen wie Östradiol-17beta (die wirkungsvollste Form von Östrogen). Glabrene dockte an den Östrogenrezeptoren an und regte die Bildung von Muskelzellen an (24).

Süßholzwurzel könnte das Risiko für Herzkrankheiten reduzieren

Im Rahmen einer klinischen Untersuchung mit knapp 100 Probanden mit hohen Cholesterinspiegeln reduzierte ein Jahr des Konsums deglycyrrhinierter Süßholzwurzel die Gesamtcholesterinspiegel, die LDL Cholesterinspiegel und die Blutdruckwerte (26).

Im Mäusemodell von Herzinfarkten halfen die entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen von Süßholzwurzel dabei, Schäden am Herzgewebe zu reduzieren und eine schnellere Erholung zu fördern (27).

Die verfügbaren Studien sind unzureichend, um die Rolle von deglycyrrhinierter Süßholzwurzel bei der Reduzierung des Risikos für Herzkrankheiten zu unterstützen. Es bedarf hierfür weiterer klinischer Studien.

Zusätzlich hierzu kann sowohl Süßholzwurzel, die Glycyrrhizin und Glycyrrhizinsäure enthalten, den Körper dazu anregen, mehr Kalium auszuscheiden und darüber hinaus den Blutdruck erhöhen, was letztendlich Herzkrankheiten verschlimmern könnte (2).

Süßholzwurzel könnte bei der Behandlung des polyzystischen Ovarsyndroms helfen

Im Rahmen einer klinischen Untersuchung mit 32 Frauen, die unter dem polyzystischen Ovarsyndrom litten, reduzierte Glycyrrhetinsäure die Testosteronspiegel, während sie gleichzeitig einen regulären Eisprung induzierte. Zwei andere Süßholzwurzel Stoffwechselprodukte (Glabridin und Glabrene) besitzen östrogenähnliche Wirkungen, die bei der Behandlung des polyzystischen Ovarsyndroms helfen könnten (28).

Diese vorläufigen Untersuchungsergebnisse müssen noch durch größer angelegte, robustere Studien bestätigt werden.

Süßholzwurzel könnte Erschöpfung reduzieren

Süßholzwurzel erhöhte im Rahmen einer Studie bei 20 gesunden Probanden die Kortisolspiegel und Aktivität durch eine Hemmung des 11-beta-HSD Enzyms – das Enzym, das Kortisol in das weniger aktive Kortison umwandelt – und eine Hemmung des SULT2A1 Enzyms – das Enzym, das Steroidhormone inklusive Kortisol für eine Eliminierung markiert. Die Erhöhung der Kortisolspiegel könnte dabei helfen die Energiespiegel zu erhöhen. Zusätzlich hierzu resultiert diese Erhöhung auch in gesteigerten DHEA- und Testosteronspiegeln (3).

Glabridin, ein Polyphenol Flavonoid, das sich in Süßholzwurzelextrakt wiederfindet, reduzierte bei Mäusen trainingsinduzierte Erschöpfung. Mäuse, die mit Glabridin behandelt wurden, schwammen länger als Mäuse der Kontrollgruppe. Je höher die Glabridin Dosis ausfiel, desto länger hielten die Mäuse beim Schwimmtest durch. Mit Glabridin behandelte Mäuse wiesen außerdem niedrigere Marker für Erschöpfung wie Laktatspiegel im Blut und Blut Stickstoff-Harnstoff Spiegel, sowie höhere Glykogenspiegel auf (29).

Da dies die bisher einzigen Studien zum Thema sind, bedarf es weiterer Studien, um die Auswirkungen von Süßholzwurzel auf die Erschöpfung bestimmen zu können.

Weitere mögliche Gesundheitsvorzüge, die bisher nur im Rahmen von Zellstudien und mit Tieren durchgeführten Untersuchungen beobachtet werden konnten

Die in den folgenden Abschnitten aufgeführten potentiellen Vorzüge von Süßholzwurzel werden bisher noch nicht durch klinische Untersuchungen unterstützt, weshalb die aufgeführten Studien nicht als Nachweis für eine Wirksamkeit beim Menschen angesehen werden sollten.

Süßholzwurzel könnte einen Gewichtsabbau unterstützen

Bei Mäusen und Ratten halfen Süßholzwurzel Flavonoid Öle bei einem Gewichtsabbau, indem sie die Fettoxidation während leichtem Training steigerten (30). Auch Süßholzwurzelpulver war bei der Reduzierung des Körpergewichts und einer Reduzierung von Fetteinlagerungen bei Mäusen effektiv (31).

Süßholzwurzel könnte das Gehirn schützen

Glabridin, ein primäres Flavonoid von Glycyrrhiza glabra (Süßholzwurzel), könnte dabei helfen, das Gehirn von mit Schlaganfällen in Verbindung stehenden Schäden zu schützen. Bei Ratten, die einen Schlaganfall erlitten hatten reduzierte eine Glabridin Injektion (25mg pro Kilogramm Körpergewicht) Gehirnschäden signifikant, verhinderte den Tod von Nervenzellen und reduzierte DNA Schäden. Gleichzeitig erhöhte die Injektion die Antioxidantienspiegel im Gehirn (32).

Süßholzwurzel Flavonoide könnten außerdem vor oxidativen Schäden im Gehirn schützen. Diese antioxidativen Wirkungen halfen dabei, den durch Krampfanfälle induzierten Tod von Gehirnzellen bei Mäusen zu reduzieren (33).

Eine orale Verabreichung von Glabridin in einer Dosierung von 25 und 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht konnte Lern- und Gedächtnisdefizite bei diabetischen Ratten reduzieren. Zusätzlich hierzu half eine solche Gabe dabei, die Gehirnfunktion bei nicht diabetischen Ratten zu verbessern (34).

Entzündungen im Gehirn können zu vielen Krankheiten wie Alzheimer, Demenz und multipler Sklerose führen. Entzündungsfördernde Aktivitäten zu stoppen könnte deshalb dabei helfen, das Gehirn zu schützen (16).

Eine Behandlung mit Dehydroglyasperin C (ein Süßholzwurzel Flavonoid) verhinderte im Rahmen einer Zellstudie, dass LPS (ein bakterielles Toxin) eine TNF-alpha Produktion induzierte. Diese Behandlung reduzierte außerdem die NF-kB Aktivität, was dabei helfen könnte, den Zelltod von Neuronen und Entzündungen zu beenden (16).

Süßholzwurzel könnte die Schlafqualität verbessern

Die GABA Rezeptoren sind ein wichtiges Ziel für die Induzierung des Schlafes. Gabrol und Liquiritigenin aus einem Süßholzwurzelextrakt induzierten bei Mäusen über den Gaba Rezeptor den Schlaf. Dies reduzierte die Zeit, die bis zum Einschlafen verging und erhöhte die Dauer des nicht-REM Schlafes, ohne die Tiefe des Schlafes zu reduzieren (35).

Süßholzwurzel könnte die männliche Fruchtbarkeit verbessern

Bei Mäusen steigerte ein Süßholzwurzelextrakt die Spermienproduktion, was die männliche Fruchtbarkeit fördern könnte (36).

Süßholzwurzel könnte Anti-Krebs Wirkungen besitzen

Komponenten der Süßholzwurzel waren im Rahmen von Zellstudien effektiv gegen mehrere Markenzeichen von Krebs inklusive Zellproliferation, Entzündungen, Widerstandsfähigkeit gegenüber einem Zelltod und Produktion eigener Blutgefäße.

Es gibt jedoch viele Substanzen, die in Zellen Antikrebswirkungen besitzen, zu denen auch toxische Chemikalien wie Bleiche gehören. Dies bedeutet nicht, dass sie einen medizinischen Wert haben. Ganz im Gegenteil – die meisten Substanzen (natürlich oder synthetisch), die bei Krebszellen untersucht wurden, versagen bei nachfolgenden Studien mit Tieren oder klinischen Studien aufgrund mangelnder Sicherheit oder Effizienz.

Bei einer oralen Krebszelllinie förderte ein Polysaccharid aus der Süßholzwurzel eine Apoptose (Zelltod) von Krebszellen und verhinderte ein Wachstum von Krebszellen. Süßholzwurzel war spezifisch für menschliche Krebszellen, aber nicht für gesunde Zellen toxisch (37, 38, 39). Licochalcon A und Liquiritigenin blockiert entzündliche und proliferative Pfadwege in Zellen (40, 41). Licochalcon A hemmte außerdem Krebszellen daran, ihre eigenen Blutgefäße auszubilden, indem sie den VEGF Rezeptor blockieren (42).

Süßholzwurzel Flavonoide verhinderten bei Mäusen mit Kollitis in Verbindung stehenden Krebs und reduzierte die Tumorbildung (43).

„Schlechte“ Östrogene können Krebs verursachen. Liquiritigenin könnte als “gutes” Östrogen agieren und Krebs verhindern, indem es an den Östrogenrezeptor Beta anbindet (25).

Süßholzwurzel könnte vor Infektionen schützen

Vorläufige Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass die Süßholzwurzel das Immunsystem anregen kann und antioxidative Eigenschaften besitzt. Sie enthaltenen aktiven Verbindungen zeigten bei im Reagenzglas durchgeführten Untersuchungen außerdem antivirale, antibakterielle und antifungale Eigenschaften (44, 45).

Im Rahmen einer zellbasierten Studie war Glycyrrhizinsäure wirksam, wenn es darum ging, das Wachstum von Bakterien zu kontrollieren (46). Ein alkoholisches Süßholzwurzelextrakt hemmte zwei Typen von Bakterien in Zellkulturen ((S. mutans und L. acidophilus). Diese beiden Typen von Bakterien können die Zähne beschädigen (47).

Diese vorläufigen Resultate wurden jedoch noch nicht bei Menschen und nicht einmal bei Tieren validiert. Es bedarf deshalb weiterer Untersuchungen, um sagen zu können, ob Süßholzwurzel dabei helfen kann, die Infektionen zu bekämpfen, die durch diese Bakterien hervorgerufen werden. Neuere Forschungen zeigen, dass der im Süßholz enthaltene Süßholzzucker (ca. 20% im Lakritzdicksaft), ein hervorragender Schutz gegen Viren ist - sowohl im aktiven Stadium als auch in der Zeit der Inaktivität. Viele Viren können jahrelang in Zellen versteckt sein, bevor sie eine (Neu)Infektion erzeugen. Süßholzzucker ist der einzige Stoff, der die Tarnung der Viren beseitigt und damit das Selbstmordprogramm der befallenen Zelle auslöst. (Journal of Clinical Investigation, Bd. 115, Nr. 3, S. 650)

Auch eine Wirksamkeit gegen Heptatis C ist in jüngster Zeit nachgewiesen worden.

Das berechtigt zu der Annahme, dass Lakritze auch andere Viren erfolgreich bekämpfen kann.

Glycyrrhetinsäure als Creme

Eine Studie ergab, dass Glycyrrhetinsäure das Fett, das sich unmittelbar unter der Haut befindet, mit abbaut. Dazu muss sie als Creme direkt auf die Haut aufgetragen werden. Bei einem entsprechenden Versuch mussten Frauen ihre Oberschenkel einen Monat lang mit der Creme behandeln. Das Ergebnis: Nur auf der obersten Schicht hatten sie subkutanes Fett verloren, eine Absorption in das innere Organsystem konnte somit ausgeschlossen werden, es traten keine Nebenwirkungen auf. Keine der Studien-Teilnehmerinnen war fettleibig. Die Forscher gehen davon aus, dass die Creme bei übergewichtigen Menschen wesentlich stärker wirkt.

Bedarf im Sport

Creme auf Clycyrrhetinsäure-Basis kann also Menschen helfen, die beispielsweise an Oberschenkel oder am Bauch abnehmen wollen. Sie bringet auch Bodybuilder Vorteile, die Probleme bei der Fettreduktion an exponierten Stellen haben. Gerade vor einem Wettkampf kann sich die Verwendung der Glycyrrhetinsäure-Creme auszahlen.

Dosierungen und Darreichungsformen

Flüssigextrakte

Süßholzwurzelextrakte stellen die am weitesten verbreitete Form von Süßholzwurzelprodukten dar. Sie werden als kommerzielle Süßungsstoffe in Süßigkeiten und Getränken verwendet. Der Glycyrrhizinsäuregehalt von Süßholzwurzelextrakten sollte 30 mg Glycyrrhizinsäure pro ml nicht überschreiten. Höhere Dosierungen können unerwünschte Nebenwirkungen besitzen (61).

Pulver

Im Internet und in Drogeriemärkten ist Süßholzwurzel in Pulverform erhältlich. In Kombination mit einer Gelbasis kann hieraus eine Salbe zum Auftragen auf die Haut angemischt werden, die die Haut reinigt.

In Pulverform ist Süßholzwurzel besonders hilfreich bei der Behandlung von Ekzemen und Akne. Man kann das Pulver auch in Kapseln verfüllen und oral einnehmen. Laut der Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die empfohlene tägliche Dosis bei Süßholzwurzelpulver bei unter 75 mg pro Tag (62).

Tee

Die Blätter der Süßholzwurzelpflanze sind in getrockneter Form als Tee sehr beliebt. Diese Tees werden verwendet, um die Verdauung, die Atmung und die Gesundheit der Adrenaldrüsen zu fördern. Pflanzliche Tees, die als Bronchialtees oder Entgiftungstees angepriesen werden, enthalten für gewöhnlich eine Form von Süßholzwurzel.

Es wird nicht empfohlen, mehr als 250 ml Süßholzwurzeltee pro Tag zu konsumieren.

DGL (deglycyrrhinierte Süßholzwurzel)

DGL ist Süßholzwurzel, aus der das Glycyrrhizin entfernt wurde und die eine sicherere Form von Süßholzwurzel darstellt. DGL sollte nicht mehr als 2% Glycyrrhizin enthalten. Diese Darreichungsform wird zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden und andere Problemen im Bereich des Verdauungstrakts empfohlen, bei denen eine längerfristige Verwendung notwendig sein kann. DGL ist in Form von Kautabletten, Kapseln, Tee und Pulver erhältlich. Der Konsum von DGL sollte 5 Gramm pro Tag nicht überschreiten.

Nebenwirkungen & Vorsichtsmaßnahmen

Deglycyrrhinierte Süßholzwurzel (DGL)

Der chronische oder exzessive Konsum von regulärer Süßholzwurzel kann unerwünschte Komplikationen und Gesundheitsprobleme mit sich bringen. Da diese Nebenwirkungen primär durch Glycyrrhizinsäure hervorgerufen werden, kann DGL dabei helfen, diese Nebenwirkungen zu vermeiden, was jedoch nicht sinnvoll ist, wenn die gewünschten Wirkungen einer Einnahme von Süßholzwurzelprodukten direkt mit Glycyrrhizinsäure selbst in Verbindung stehen (2).

Mögliche Nebenwirkungen von regulärer Süßholzwurzel

Süßholzwurzel kann die Kortisolspiegel erhöhen

In hohen Dosierungen kann Süßholzwurzel die Kortisolspiegel erhöhen. Kortisol ist ein Steroidhormon, das auch als Stresshormon bekannt ist. Es kann in Reaktion auf Stress den Blutdruck und die Glukosespiegel erhöhen oder senken, die Immunreaktion beeinflussen, usw. (48). Glycyrrhizinsäure und Glycyrrhetinsäure – zwei aktive Stoffwechselprodukte von Süßholzwurzelextrakten – agieren wie Aldosteron. Sie hemmen das Enzym 11β-Hydroxysteroid Dehydrogenase vom Typ 2 (11β-HSD2) und verhindern so, dass dieses Kortisol in Kortison umwandelt. Dies führt zu einer längeren Halbwertszeit von Kortisol und erhöht die Kortisolaktivität (2, 49). Die Hypothalamus-Hypophysen-Adrenalachse ist ein wichtiges Reaktionssystem auf Stress. Normale Kortisolspiegel helfen dabei, das Gleichgewicht dieses Regelsystems aufrecht zu erhalten. Exzessive Kortisolspiegel können jedoch eine Dysfunktion dieses Regelkreises bewirken und zu chronischen Stress, Depressionen, Alkoholismus und anderen Störungen führen (50).

Süßholzwurzel könnte den Blutdruck erhöhen

Eine längere Halbwertszeit von Kortisol bedeutet, dass es länger dauert, bis die Kortisolkonzentrationen im Blut sinken. Exzessive Kortisolspiegel können zu Bluthochdruck beitragen. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass diese Wirkungen bei Frauen stärker als bei Männern ausfielen (51).

Eine Erhöhung der Kortisolkonzentration lokal in den Adrenaldrüsen kann die Mengen an Mineralkortikoiden erhöhen, was den Blutdruck erhöhen kann. Bei Menschen, die nicht unter Bluthochdruck leiden, hängt die Erhöhung des Blutdrucks (3,1 bis 14,4 mgHg) von der Menge an konsumierter Süßholzwurzel ab (52, 53).

Die Erhöhung der Kortisolspiegel kann außerdem einen Pseudo-Hyperaldosteronismus verursachen. Dieses Leiden wird durch erhöhten Blutdruck, reduzierte Kaliumkonzentrationen und Wasser- und Natriumeinlagerungen charakterisiert (2, 51).

Süßholzwurzel könnte den Medikamentenstoffwechsel verlangsamen

Mehrere in Süßholzwurzel enthaltene Komponenten inklusive Liquiritigenin und Isoliquiritigenin hemmen das CYP3A4 Gen und das Cytochrom P450 Enzym. Eine Inaktivierung des P450 Enzyms könnte den Medikamentenstoffwechsel verlangsamen und die Konzentration dieser Medikamente im Blutkreislauf erhöhen, was im Gegenzug das Risiko für Medikamentennebenwirkungen erhöhen könnte (54).

Süßholzwurzel könnte die Kaliumspiegel senken

Wenn Süßholzwurzel das 11-βHSD2 Enzym hemmt, bewirkt dies auch eine exzessive Mineralkortikoidproduktion und eine Senkung der Kaliumspiegel. Bei mehreren Fallstudien verursachte ein exzessiver Süßholzwurzelkonsum niedrige Kaliumspiegel und Muskelschwäche (55). Durch Süßholzwurzel hervorgerufene niedrige Kaliumspiegel können zu unregelmäßigem Herzschlag führen und Herzprobleme verursachen (56).

Diese Auswirkungen können von Person zu Person variieren. Die volle Auswirkung von Süßholzwurzel auf die Kaliumspiegel hängt laut einer Observationsstudie mit 360 Personen vom Gesundheitszustand der Person, eingenommenen Medikamenten und anderen Faktoren ab (55).

Auch Glycyrrhetinsäure kann an die Mineralkortikoidrezeptoren anbinden, aber ihre Affinität fällt hierbei schwächer als bei Aldosteron aus (2).

Süßholzwurzel könnte während der Schwangerschaft Probleme hervorrufen

Im Rahmen einer Befragung von 100 finnischen Frauen, die eine Frühgeburt erlebt hatten, wurde ein starker Süßholzwurzelkonsum mit einer kürzeren Dauer der Schwangerschaft in Verbindung gebracht. Die in Süßholzwurzel enthaltene Glycyrrhizinsäure erhöht die Kortisolspiegel, was eine Erhöhung der Prostaglandinspiegel im Uterus zur Folge haben kann. Dies kann Kontraktionen des Uterus auslösen (57).

Zusätzlich hierzu kann die Inaktivierung des 11β-HSD2 Enzyms durch Süßholzwurzel eine Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Adrenalachse hervorrufen. Im Rahmen einer Studie mit über 300 schwangeren Frauen konnte beobachtet werden, dass diejenigen, die höhere Mengen an Süßholzwurzel konsumierten, niedrigere 11β-HSD2 in der Plazenta aufwiesen. Ihre Kinder neigten zu Verhaltensstörungen, die mit einer Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Adrenalachse in Verbindung gebracht wurden (58).

Diese Wirkungen wurden jedoch im Rahmen von Kohortenstudien untersucht. Dieser Typ von Studie kann Faktoren mit bestimmten Gesundheitsproblemen in Verbindung bringen, aber diese nicht als Ursache etablieren. Es ist möglich, dass andere genetische Faktoren oder Umweltfaktoren zu den beobachteten Wirkungen beigetragen haben könnten.

Andere seltene Nebenwirkungen

Süßholzwurzel könnte die Testosteronspiegel bei gesunden Männern senken. Diese Resultate variieren jedoch von Studie zu Studie. Es bedarf weiterer Untersuchungen, bevor hier definitive Schlussfolgerungen gezogen werden können (59, 60).

Einige seltene Nebenwirkungen umfassen Herzinfarkt und Schlaganfall, wobei es nur wenige Studien gibt, die diese Resultate zeigen (2).

Interaktionen mit Medikamenten

Einige in Süßholzwurzel enthaltene Verbindungen können mit Medikamenten interagieren. Um solche Interaktionen zu vermeiden, sollte eine Verwendung von Süßholzwurzel mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, falls Medikamente eingenommen werden.

Glabridin kann z.B. Cytochrom 3A4 und 2B6 – P450 Enzyme hemmen, die am Abbau bestimmter Medikamentenwirkstoffe beteiligt sind. Dies könnte die Wirkung dieser Medikamente beeinflussen. Unten befindet sich eine Tabelle mit unterschiedlichen Medikamentenwirkstoffen auf der linken Seite und Inhaltsstoffen der Süßholzwurzel auf der rechten Seite, die mit diesen Medikamenten interagieren könnten.

Referenzen:

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