Können Vegetarier Muskeln aufbauen?

  • Können Vegetarier Muskeln aufbauen?

F: John, was machst Du und warum machst Du es?

Dr. John Berardi: Ich habe mich schon immer für eine vegetarische Ernährung interessiert – ganz einfach wegen der ganzen Diskussionen um dieses Thema. Zu Beginn meiner Karriere neigte ich jedoch mehr zu einem anti-vegetarischen Standpunkt.

Als Sportler und Gewichtheber bin ich mit Leuten groß geworden, die es mochten Fleisch zu essen. Dies wird nicht mehr wissenschaftlich hinterfragt. Es gibt auch keine vernünftigen Diskussionen mehr. Es ist fast schon etwas Religiöses. Iss Fleisch und Du bist gut. Verzichte auf Fleisch und Du bist ein Idiot.

Das Faszinierende an der Sache ist, dass Vegetarier und Veganer genau denselben Ansatz vertreten – nur von der anderen Seite aus gesehen.

F: Wie bist Du auf die Idee gekommen, es an Dir selbst auszuprobieren?

Dr. John Berardi: Im Fitnessstudio ist ein Veganer auf mich zugekommen, der Probleme damit hatte, Muskeln aufzubauen. Er war ein großer Fan meiner Arbeit und sagte, dass er alle meine Artikel gelesen hätte. Meine erste Reaktion war „Wenn Du alle meine Artikel gelesen hast, warum bist Du dann Veganer. All diese Artikel empfehlen Fleisch!“

Wie sich herausstellte, hatte der Typ eine leichte „Getreidephobie“ und als Veganer musst Du eine Menge Getreide essen. Er hatte keine Chance Muskeln aufzubauen. Er aß ganz einfach nicht genügend Kalorien. Ich half ihm also dabei, seinen Ernährungsplan zu modifizieren.

Als ich damit fertig war, dachte ich mir, dass das gar nicht mal so schlecht aussieht. Das Essen sah lecker aus und es schien mir ein angenehmer Weg zu sein, sich zu ernähren – zumindest für eine Zeit lang. Ich erwähnte meinen Freunden gegenüber, dass ich darüber nachdachte, es selbst auszuprobieren und natürlich gingen ihre Reaktionen in die Richtung „Du kannst mit einer vegetarischen Ernährung keine Muskeln aufbauen. Das ist völlig unmöglich. Du wirst sogar Muskeln verlieren!“

Nun, hierdurch wurde das Ganze zu einer Herausforderung. Ich bin der geborene Selbstexperimentator. Ich liebe es, Ernährungstheorien an mir selbst auszuprobieren. Ich entschied mich also dafür, diese Ernährungsweise auszuprobieren. Ich wollte sehen, ob ich eine nahezu vegane Ernährung einhalten und hierbei Muskeln aufbauen konnte.

F: Moment – Dein Ziel besteht tatsächlich darin, mit Hilfe einer vegetarischen Ernährung Muskeln aufzubauen?

Dr. John Berardi: Absolut. Während der letzten Jahre habe ich mich nicht so sehr um einen weiteren Aufbau von Muskelmasse gekümmert. Ich bin jetzt in meinen Dreißigern, ich konzentriere mich auf meine Firma und ich bin recht glücklich damit, wie mein Körper aussieht. Ich befand mich also im Grunde genommen in einer Erhaltungsphase. Ich dachte mir also, warum sollte ich nicht versuchen ein paar Muskeln aufzubauen und dies auf dem vegetarischen Weg ausprobieren?

F: Was ist Dein Ziel?

Dr. John Berardi: Mein Ziel besteht darin, im Lauf des nächsten Monats 5 Kilo Muskeln aufzubauen. Vielleicht werde ich dies auch auf zwei Monate ausdehnen.

F: Wir haben hier von „vegetarisch“ und „vegan“ gesprochen, aber ich weiß, dass Du diese Begriffe nicht wirklich magst. Warum?

Dr. John Berardi: Ich verwende den Begriff “vegetarisch”, weil die Menschen wissen, was dies bedeutet, aber mir gefällt der Begriff „pflanzenbasiert“ besser. Insbesondere Bodybuilder reagieren ablehnend auf das Wort „Vegetarier“. Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass alle Vegetarier, die sie bisher getroffen haben, recht militant waren und sie als „Tiermörder“ oder ähnliches bezeichnet haben.

Ein Verzicht auf den Verzehr von Fleisch ist häufig moralisch, emotional oder philosophisch angehaucht. Ich habe diese Probleme im Augenblick nicht. Ich führe mein Experiment für die Menschen und nicht für die Tiere aus.

Darüber hinaus kann „vegetarisch“ auch bedeuten, dass man trotzdem eine Menge minderwertige, verarbeitete Nahrungsmittel isst und lediglich auf Fleisch verzichtet. Ich habe diese Vegetarier gesehen, die Fertiggerichte essen, die mit verarbeiteten Chemikalien vollgestopft sind. Ihre Ernährung war lediglich durch die Abwesenheit von Fleisch und nicht durch das, was in der Ernährung enthalten war, definiert.

F: Gutes Argument. Was ist also enthalten? Ist alles pflanzenbasiert, oder sind auch tierische Nahrungsmittel enthalten?

Dr. John Berardi: Ich werde morgens drei Eier essen und auch etwas Honig zu mir nehmen, von dem ich kürzlich gelernt habe, dass er für Veganer ein No-Go ist. Ich nehme außerdem ein Verdauungsenzym Supplement ein, das etwa 15 mg Ochsengalle enthält, weshalb meine Ernährung streng genommen nicht vegan ist. Der Rest ist rein vegan, was mich also zu einem Lakto-Ovo Vegetarier macht.

F: Ist Fleisch wirklich so schlecht? Sind die Vegetarier etwas auf der Spur oder sind das einfach nur seltsam müffelnde Typen in Hanf Turnschuhen?

Dr. John Berardi: Ich sehe auf beiden Seiten gute Argumente. Es steht außer Frage, dass der Verzehr der richtigen Arten von Fleisch in den richtigen Mengen in eine gesunde Ernährung passt. Du bekommst hierdurch große Mengen an Protein, B-Vitaminen und anderen Vitaminen und Mineralstoffen, die Du außer in Form von Supplements so nicht auf anderem Weg bekommen wirst. Gesundheit und Muskelaufbau werden ernsthaft beeinträchtigt sein, wenn irgendeiner dieser Nährstoffe fehlt. Das ist das Argument für Fleisch.

Aber es gibt auch eine Beziehung zwischen dem Verzehr von Fleisch und dem Krebsrisiko

F: Ich habe gerade den Staat Texas schreien gehört.

Dr. John Berardi: Das ist nicht nur Spekulation. Über 100 veröffentlichte wissenschaftliche Studien zeigen eine Verbindung zwischen dem Verzehr von Fleisch und Krebs.

T Nation: Aber wie sieht diese Verbindung aus? Können wir dieses Risiko reduzieren?

Dr. John Berardi: Zu einem großen Teil existiert diese Verbindung, weil Fleischfresser dazu neigen, weniger andere gesunde Dinge zu essen, deshalb neigt ihre Ernährung dazu, reich an Kalorien und gesättigten Fetten und arm an Ballaststoffen, Antioxidantien, Vitaminen und Mineralstoffen zu sein.

Die Lösung besteht nicht darin, kein Fleisch zu essen, sondern vielmehr darin, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Fleisch und anderen gesunden Nahrungsmitteln herzustellen.

F: Dies erinnert mich an einen Artikel von Dir, in dem Du auf das Problem eingegangen bist, dass Fleischfresser dazu neigen, Dinge wie grünes Gemüse durch andere Nahrungsmittel zu ersetzen.

Dr. John Berardi: Das ist genau das, was ich meine, aber dies ist nicht das einzige Problem.

Es gibt einige recht überzeugende Hinweise darauf, dass potentiell karzinogene Verbindungen in unseren Körper gelangen, wenn wir gekochtes Fleisch essen. Am problematischsten scheinen hierbei verarbeitete Nahrungsmittel wie Wurst und Wurstkonserven, sowie zu heiß gegrilltes und verkohltes Fleisch zu sein.

Doch deshalb pauschal zu sagen, dass wir kein Fleisch essen sollten, ist ein Fehler. Diese Risiken können kontrolliert werden.

F: Was sollten wir also tun?.

Dr. John Berardi: Überhitze Dein Fleisch nicht, was insbesondere auf dem Grill gilt. Und vermeide verarbeitete Fleischnahrungsmittel wie Wurst, oder begrenze zumindest den Verzehr dieser Nahrungsmittel.

Zu guter Letzt musst Du Deinen Konsum von Ballaststoffen, Obst und Gemüse steigern. Ballaststoffe besitzen schützende Eigenschaften vor den spezifischen Krebsarten, die mit dem Verzehr von Fleisch in Verbindung gebracht werden – Magenkrebs und Darmkrebs. Iss mehr Ballaststoffe und reduziere Dein Risiko.

F: Ich habe außerdem gehört, dass Fleisch mit Hormonen und Antibiotika überladen ist, die Schlachtvieh verabreicht werden. Doch die Lösung für dieses Problem scheint mir einfach zu sein – steige einfach auf Fleisch von Vieh von der Weide und aus Freilandhaltung um und mache Dir keine weiteren Gedanken zu diesem Thema.

Dr. John Berardi: Das ist völlig richtig. Wenn Du primär Fleisch aus der Massentierhaltung isst, dann bekommst Du Hormone, Umweltgifte und Antibiotika.

F: Ich schätze, dass einige Bodybuilder, die dies lesen, jetzt denken “Hey, wenn diese Hormone Kühe wachsen lassen, dann werden sie vielleicht auch mir dabei helfen zu wachsen!”

Dr. John Berardi: Ein großer Prozentsatz, der Schlachtvieh in einigen Ländern verabreicht wird, besteht aus Östrogen, weil Östrogen die Marmorierung des Fleisches erhöht und es hierdurch zarter macht. Aber um es noch einmal zu wiederholen: warum nicht einfach hormonfreies Fleisch von Vieh aus Freilandhaltung essen? Hierfür bedarf es keines Vegetarismus.

F: Jeder verrückte Vegetarier, den ich kenne, erwähnt die große Menge an „unverdautem, verrottenden Fleisch“ in meinem Verdauungstrakt. Wovon sprechen diese Menschen?

Dr. John Berardi: Hast Du jemals die John Wayne Story gehört?

F: Dass man 20 oder 25 Kilo Fleisch in einem Darm gefunden hat?

Dr. John Berardi: Genau, das ist die Geschichte. Man erzählt sich, dass bei John Wayne, nachdem er an Krebs gestorben war, eine Autopsie durchgeführt wurde und man bei dieser Autopsie 20 Kilo verdichtete Fäkalmasse gefunden hätte. Einige Veganer verwenden diese Geschichte als Beweis dafür, dass sich der Mensch evolutionstechnisch gesehen nicht für den Verzehr von Fleisch entwickelt hat.

Nun, bei John Wayne wurde nie eine Autopsie durchgeführt. Die ganze Geschichte ist frei erfunden. Es ist zwar möglich, dass sich Fäkalien im Darm verdichten, aber bereits bei einem Pfund wird dies recht schmerzhaft. 20 Kilo sind völlig unmöglich.

Ein Pfund unverdaute Nahrung ist unter einigen Umständen möglich. Einige Menschen scheinen hierfür eine genetische Veranlagung aufzuweisen. Dies wird dadurch verschlimmert, dass viele Menschen in der westlichen Welt kaum Ballaststoffe zu sich nehmen und Medikamente wie bestimmte Blutdruckmittel und Antidepressiva einnehmen, die den Transport der Nahrung durch den Verdauungstrakt beeinträchtigen und verlangsamen.

So etwas könnte also geschehen, auch wenn es nicht besonders wahrscheinlich ist – und wenn es geschieht, dann ist nicht Fleisch die Ursache. Es ist mehr das, was in der Ernährung fehlt und welche Medikamente die betroffenen Personen einnehmen.

F: Bevor wir weiter machen, muss ich Bill Pearl erwähnen. Bill gewann seinen vierten Mr. Universe Titel im Jahr 1971, als er ein 41 Jahre alter Lakto-Ovo Vegetarier war. Er sagte, dass er seit 10 Jahren steroidfrei war. Was bedeutet es, dass er seinen vierten Mr. Universe Titel ohne Fleisch gewonnen hat, nachdem er seine ersten drei Mr. Universe Titel als Fleischesser gewonnen hatte?

BILL PEARL

Dr. John Berardi: Die meisten Bodybuilder, die behaupten Vegetarier zu sein, wurden erst nachdem sie ihre Muskeln aufgebaut hatten – oder nachdem sie sich aus dem Wettkampfsport zurückgezogen hatten – zu Vegetariern. Diese Menschen sind also nicht wirklich ein Beweis dafür, dass Du als Vegetarier ein erfolgreicher Bodybuilder sein kannst. Bill Pearl ist das einzige mir bekannte Beispiel für einen Bodybuilder im Bereich des Profibodybuildings, der mit einer vegetarischen Ernährung erfolgreich war.

Ich glaube jedoch, dass man auch als Veganer einen recht eindrucksvollen Körper aufbauen kann. Ich denke nicht, dass dies ein Problem sein sollte. Ich glaube, dass Du auch als Veganer ein erfolgreicher Sportler sein kannst. Ich bin jedoch auch der Ansicht, dass es eine harte Herausforderung darstellt, als Veganer ein sehr erfolgreicher Bodybuilder zu sein. Du musst eine maximale Menge an Muskelmasse aufbauen, für die Bühne hart und definiert werden und auf höchstem Wettkampfniveau gewinnen. Das wird sehr schwer werden und wahrscheinlich nicht geschehen.

Als Veganer wirst Du nicht um Kohlenhydrate herumkommen, um Dein Protein zu bekommen. Du musst über die richtigen genetischen Veranlagungen verfügen, um gut mit Kohlenhydraten zurecht zu kommen.

F: Eine weitere Frage über Vegetarismus, bevor wir auf Deinen spezifischen Plan zurück kommen: Gibt es eine pauschale positive Auswirkung einer veganen Ernährung auf die Gesundheit? Vegetarier behaupten häufig, dass eine solche Ernährung eine „reinigende“ Wirkung besitzt.

Dr. John Berardi: Ich stimme nicht damit überein, dass es fundamental gesünder ist, Veganer zu sei. Ja, eine gute vegane Ernährung ist gesünder als die typische westliche Ernährung. Und es gibt so etwas wie eine „reinigende“ Wirkung – was aber nur dann gilt, wenn Deine Ernährung zuvor ungesund war. Aber all dies kann geschehen, wenn Du damit beginnst, Dich gesünder zu ernähren – unabhängig davon, ob Deine neue Ernährung nun vegan ist, oder nicht.

Eine kurze Geschichte hierzu: Ein Mädel hat mir erzählt, dass sie eine „Entgiftung“ machen wollte. Ich dachte, dass es sich um diesen Saft Kur Blödsinn handelt und wollte mich schon über sie lustig machen, doch dann erzählte sie mir, dass ihre „Fastenkur“ darin bestand, einen Monat lang nichts anderes als Hühnchenbrust, braunen Reis und Brokkoli zu essen. Sie erzählte mir, dass sie sich toll hierbei fühlte.

Sie verzichtete auf all das Fastfood, all den Zucker und all den Müll, der dazu führt, dass man sich schlecht fühlt.

Eine Menge Vegetarier erleben etwas Ähnliches. Sie fühlen sich toll, weil sie auf all diese Nahrungschemikalien, all die verarbeiteten Nahrungsmittel, all den Zucker, all das Koffein, all die Hormone und all den anderen ungesunden Kram verzichten. Zusätzlich hierzu nehmen sie mehr Ballaststoffe, mehr Antioxidantien und mehr Mikronährstoffe zu sich – und zum ersten Mal in ihrem Leben essen sie ausreichende Mengen hiervon. Das Ganze ist also kein magisches, vegetarisches Ding – sie ernähren sich nur einfach gesund.

Zusätzlich hierzu nehmen sie in der Regel zunächst weniger Kalorien zu sich, wenn sie zu einer vegetarischen Ernährung übergehen. Und das hilft einigen Menschen dabei, sich energiegeladener und besser zu fühlen.

F: Nehmen wir Deine pflanzenbasierte Ernährung auseinander und sprechen wir über die Makronährstoffe. Wo wird Dein Protein herkommen?

Dr. John Berardi: Ich werde bei meinem Plan 150 bis 200 Gramm Protein pro Tag zu mir nehmen. Dieses stammt von Eiern zum Frühstück, einer kleinen Menge an Sojamilch während des Tages, veganen Protein Supplements, die mir 60 Gramm pro Tag liefern werden und zwei Tassen Bohnen pro Tag mit Vollkornbrot aus gekeimtem Getreide.

Ein paar meiner Snacks umfassen Samen und Nüsse. Ich werde außerdem verzweigtkettige Aminosäuren supplementieren. Wenn ich morgens aufwache nehme ich 5 Gramm BCAAs zu mir und während meines Trainings nehme ich 14 Gramm flüssige Aminosäuren zu mir.

Vollständige Proteine stellen wahrscheinlich die beste Option dar. Die wichtigste Frage lautet also, ob man mit einer adäquaten Menge an Kalorien und einer vernünftigen Mengen an Protein auch mit einer pflanzenbasierten Ernährung Muskeln aufbauen kann.

Ich denke, dass die Antwort „ja“ lautet, aber es gibt nicht viele Studien, bei denen mit Gewichten trainierende Männer mehr Kalorien zu sich nahmen, als sie verbrauchten und untersucht wurde, ob sie mit Hilfe einer veganen Ernährung Muskeln aufbauen konnten.

F: Ich erinnere mich an einige Studien dieser Art, aber die Resultate waren durchwachsen.

Dr. John Berardi: Eine dieser Studien wurde von Bill Campbell in den späten Neunzigern durchgeführt (1). Zwei Gruppen von Trainingsanfängern nahmen identische Mengen an Kalorien zu sich und trainierten mit Gewichten. Eine Gruppe ernährte sich vegan, während die andere auch Fleisch aß.

Die vegetarische Gruppe verlor weder Fett, noch baute sie mit Hilfe des Krafttrainings Muskeln auf. Genau genommen verloren die Mitglieder dieser Gruppe sogar ein kleines bisschen Muskelmasse. Bei der Gruppe, die Fleisch aß, konnte ein Muskelabbau und ein Fettabbau beobachtet werden. Wir haben diese Studie über eine lange Zeit verwendet, um zu belegen, dass Vegetarismus nichts für mit Gewichten trainierende Menschen ist.

Doch eine andere Studie, die von Mark Tarnopolsky durchgeführt wurde, replizierte die Originalstudie und fand keinen Unterschied zwischen der Fleisch essenden Gruppe und der vegetarischen Gruppe (2). Es ist wichtig anzumerken, dass diese beiden Studien nicht vegan, sondern vegetarisch waren. Die Probanden, die kein Fleisch aßen, konnten Milchprodukte und Eier essen.

Es gibt also keine gute Studie, die ausschließlich eine vegane Ernährung betrachtet hat.

F: Wie sieht Deine Gesamtkalorienzufuhr bei diesem Plan aus?

Dr. John Berardi: Etwa 4.000 kcal pro Tag.

F: Wo kommen Deine Fette her?

Dr. John Berardi: Ich bekomme meine Fette durch Eier, gemischte Nüsse, hausgemachtes Hummus, Leinöl und Olivenöl, sowie ein veganes EPA/DHA Supplement, das aus Algen hergestellt wird.

F: Adäquate Mengen an Kohlenhydraten zu bekommen ist der einfache Teil, oder?

Dr. John Berardi: Ist es. Aber hier ist der interessante Teil für mich: Ich habe das Gefühl, dass es recht einfach ist, mit einem veganen Ernährungsplan Muskeln aufzubauen – Du musst einfach nur eine Menge essen. Was wahrscheinlich schwierig ist, wäre super definiert zu werden. Diese Nahrungsmittel enthalten im Vergleich zu Protein und Fett einen hohen Prozentsatz an Kohlenhydraten.

Es ist kein Problem mit Hilfe einer veganen Ernährung schlank zu werden. Aber wirklich Muskelmasse aufrecht zu erhalten und Bodybuilder schlank zu werden, könnte eine Herausforderung darstellen.

Ich vertrage Kohlenhydrate recht gut. Ich bin ein natürlicher Ectomorph, weshalb ich von vorne herein eine kohlenhydratreiche Ernährung brauche. Der klassische Endomorph, der recht leicht Fett aufbaut und mit Kohlenhydraten schlechter zurecht kommt, wird jedoch seine Probleme haben, da es bei einer veganen Ernährung einfach nicht möglich ist, Kohlenhydrate zu meiden.

F: Wie ist es, all diese Bohnen und diese Getreideprodukte zu essen?

Dr. John Berardi: Am ersten Tag war ich so ziemlich dauernd am furzen. Ich dachte wirklich, dass ich nicht damit zurecht kommen würde.

Am dritten Tag maß ich meinen Bauchumfang nach dem Aufwachen und er lag bei 81 Zentimetern, was normal für mich ist. Dann maß ich ihn um 10 Uhr abends nach einem ganzen Tag vegetarischer Ernährung erneut und er lag bei 106 Zentimetern. Ich sah aus wie eine Miniversion von Ronnie Coleman.

Meine Bauchmuskeln waren zwar sichtbar, aber sie standen extrem heraus. Es war weder Fett noch Wasser, sondern einfach nur Luft. Dann begann ich mit der Einnahme von Verdauungsenzymen und jetzt ist das Ganze sehr viel besser.

Es dauert etwa zwei Wochen, bis sich der Körper an diese Art der Ernährung gewöhnt hat – alles kein Problem. Es ist jedoch etwas, auf das man vorbereitet sein sollte.

F: Welche Lektionen kann ein typischer „Allesfresser“ Bodybuilder von einem Vegetarier lernen?

Dr. John Berardi: Ich habe bereits einige wertvolle Lektionen gelernt. Aber lasse mich Dir sagen, dass Du von den richtigen Vegetariern und Veganern lernen solltest, die tatsächlich die richtigen Nahrungsmittel essen, ihren Bedarf an allen Nährstoffen decken und hierbei schlank und gesund bleiben.

F: Zum Beispiel?

Dr. John Berardi: Richtige Veganer finden einige wirklich interessante Wege, ihr Obst, ihr Gemüse, ihre Nüsse und ihre Samen zu essen. Bei den meisten „Allesfressern“ ist dies nicht der Fall und vielleicht ist dies der Grund dafür, dass sie diese Nahrungsmittel nicht mögen. Sie wissen ganz einfach nicht, wie sie diese Nahrungsmittel zubereiten sollen.

Vegane Kochbücher sind einige der besten Quellen für Wege Gemüse auf eine schmackhafte Art und Weise zuzubereiten.

Das zweite ist, dass man mehr vollwertige, unverarbeitete, natürliche Nahrungsmittel essen sollte. Ich kenne nicht viele Leute, die Dinge wie Vollkorn Quinoa essen. Richtige Veganer verbringen mehr Zeit damit, etwas darüber zu lernen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen.

Kohlenhydrate sind nicht so schlecht für Deine Körperentwicklung, wenn sie aus vollwertigen, unverarbeiteten Quellen stammen. Aber ich denke nicht, dass die Leute wirklich wissen, was „vollwertig“ und „unverarbeitet“ effektiv bedeutet.

Ich spreche hierbei von Dingen wie Quinoa, welches wie eine uninteressante Tüte Pellets aussieht, aber wirklich fantastisch schmeckt, wenn Du gelernt hast, was Du damit machen kannst. Echte Veganer wissen, wie sie diese Nahrungsmittel in ihre Ernährung integrieren. Und Du wirst von vollwertigen, ballaststoffreichen, niederglykämischen, unverarbeiteten Getreideprodukten nicht im selben Maße fett wie durch andere Kohlenhydrate werden.

Ich möchte an dieser Stelle den veganen Lebensstil in keinster Weise glorifizieren, denn viele Veganer könnten auch etwas von nichtveganen Bodybuildern lernen – insbesondere was die Proteinzufuhr angeht. Das Lernen kann in beide Richtungen gehen, wenn beide Lager aufgeschlossen sind.

F: Wie ist Dein Status im Augenblick?

Dr. John Berardi: Bis jetzt komme ich mit meiner Nahrungsmittelauswahl gut zurecht. Ich habe keine Gelüste nach Steaks oder irgendetwas anderem. Wenn Du 4000 kcal pro Tag zu Dir nimmst, dann bist Du eigentlich immer ziemlich satt.

Mein Training läuft gut, mein Pump ist aufgrund all der Kohlenhydrate toll, meine Energie ist hoch und ich habe bereits 2 Kilo zugenommen. Bis jetzt sieht es nach fettfreier Muskelmasse aus.

F: Irgendwelche anderen Erkenntnisse?

Dr. John Berardi: Ich denke nicht, dass Fleisch – egal ob es auf Deinem Ernährungsplan steht oder nicht – der wichtigste Faktor für Deinen Erfolg ist. Es sind all die anderen Dinge – die gesamte Nahrungsmittelauswahl.

Und auch wenn ich nicht glaube, dass ich diese Ernährung irgendwann hassen werde, werde ich nach Beendigung dieses Experiments wieder Fleisch essen.

Ich würde sagen, dass die meisten Veganer wahrscheinlich etwas Fleisch in ihrer Ernährung gebrauchen könnten und dass die meisten Fleischliebhaber auch mit etwas weniger Fleisch zurecht kommen würden. Wir würden wahrscheinlich in einer gesünderen Welt leben, wenn wir uns irgendwo in der Mitte treffen würden.

Referenzen

  1.  Am J Clin Nutr. 1999 Dec;70(6):1032-9. Effects of an omnivorous diet compared with a lactoovovegetarian diet on resistance-training-induced changes in body composition and skeletal muscle in older men. Campbell WW, Barton ML Jr, Cyr-Campbell D, Davey SL, Beard JL, Parise G, Evans WJ. Nutrition, Metabolism, and Exercise Laboratory, Donald W Reynolds Department of Geriatrics, University of Arkansas for Medical Sciences, Little Rock 72114, USA.
  2.  Am J Clin Nutr. 2002 Sep;76(3):511-7. Effect of protein source on resistive-training-induced changes in body composition and muscle size in older men. Haub MD, Wells AM, Tarnopolsky MA, Campbell WW. Department of Human Nutrition, Kansas State University, Manhattan, KS 66506.

       

        Quelle: https://www.t-nation.com/diet-fat-loss/can-vegetarians-build-muscle

         

        Von Chris Shugart

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