12 Angewohnheiten muskulöser Kraftsportler

  • 12 Angewohnheiten muskulöser Kraftsportler

Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

  1. Wenn Hypertrophie Dein primäres Ziel ist, dann solltest Du in allen Wiederholungsbereichen trainieren. Es dreht sich nicht alles nur um „Trainiere schwer oder geh nach Hause.“
  2. Um optimal Muskeln aufzubauen, brauchst Du auch etwas Olympisches Gewichtheben und Powerlifting.
  3. Du trainierst wahrscheinlich nicht hart genug. (Ja, Du.)
  4. Du solltest Deine Körperentwicklung zweimal jährlich professionell bewerten lassen.
  5. Du brauchst einen Plan, solltest ein Trainingstagebuch führen und musst Dich auf Konsistenz konzentrieren.
  6. Viele Bodybuilder sehen nicht aufgrund von dem, was sie tun, gut aus, sondern trotz dem, was sie tun.
  7. Befolge nicht blind die Ratschläge von irgendjemandem, nur weil er toll aussieht. Suche Dir stattdessen einen guten Trainer.

1. Muskulöse Kraftsportler verwenden eine Auswahl unterschiedlicher Wiederholungsbereiche Ein Training für Masse und ein Training für reine Kraft unterscheiden sich voneinander. Sicher, es gibt eine gewisse Korrelation zwischen Muskelmasse und Kraft, aber nur weil jemand sehr viel Muskelmasse mit sich herumträgt, bedeutet dies nicht, dass er enorm stark sein muss…und umgekehrt.

Der Grund hierfür hat primär damit zu tun, wie unterschiedlich ein hypertrophieorientiertes Training und ein reines Krafttraining tatsächlich sind. Stärker zu werden bedarf der Generierung einer maximalen Spannung im Muskel und dies erreichst Du durch die Verwendung schwerer Gewichte und einer so kraftvollen Bewegung dieses Gewichts, wie möglich. Dies führt zu einer Bildung von mehr Myosinfilamenten und zu Verbesserungen im Bereich des Nervensystems – und beides hiervon wird Dir helfen stärker zu werden. Ein Training für Hypertrophie bedarf hingegen eines breiter gefächerten Ansatzes. Zusätzlich zur Ausführung von einigen schweren Sätzen unter Verendung Deines 1 bis 5 RM Gewichts wirst Du auch ausreichend Zeit damit verbringen müssen, eine stoffwechseltechnische Erschöpfung durch Sätze mit höheren Wiederholungszahlen zu induzieren. Dies umfasst Sätze in den Wiederholungsbereichen 6 bis 10, 10 bis 15 und 15 bis 20.

Die Frage ist also, wo Du Deine Trainingszeit verbringst. Wenn ein Muskelaufbau Dein primäres Ziel ist, dann wirst Du Zeit in allen Wiederholungsbereichen verbringen müssen. Und es sind nicht nur die Wiederholungsbereiche – selbst die Ausführung der Wiederholungen unterscheidet sich. Bei einem Bodybuildingtraining musst Du Dich mehr darauf konzentrieren, den Muskel arbeiten zu spüren, während Du Dich bei einem Krafttraining mehr darauf konzentrierst, das Gewicht einfach nur zu bewegen.

Auch die Pausenintervalle sind unterschiedlich. Ein Krafttraining erfordert längere Pausenintervalle, während ein Hypertrophietraining nach kürzeren Pausen verlangt. Im Endeffekt musst Du Dich entscheiden, ob Dein Ziel Hypertrophie oder Kraft ist und dann dementsprechend trainieren.

2. Muskulöse Jungs verwenden die Übungen des Powerliftings oder sogar des olympischen Gewichthebens

Wenn ich noch einmal mit dem Bodybuilding beginnen könnte, dann wäre eine Sache, die ich definitiv anders machen würde, die Verwendung von etwas Training im Stil des olympischen Gewichthebens oder des Powerliftings. Heute zutage gibt es bei Wettkämpfen des olympischen Gewichthebens nur noch zwei Übungen – Reißen und Stoßen – aber zu Bodybuilding Zwecken solltest Du auch die inzwischen „ausrangierte“ Disziplin des Drückens verwenden.

Wenn es ums Powerlifting geht, dann sprechen wir von Bankdrücken, Kniebeugen und Kreuzheben. Trotz der Beliebtheit des Bankdrückens solltest Du Dich jedoch mehr auf die beiden anderen Übungen konzentrieren.

Aber werden wir etwas spezifischer. Nicht viele Bodybuilder haben einen hervorragenden Rücken. Selbst wenn jemand über einen großen Latissimus verfügt, dann neigt er oft lediglich dazu, im Bereich des oberen Rückens zwischen den Schulterblättern eine dicke Schicht von Muskeln zu haben. Durch ein Training mit der Übung des Reißens baust Du jedoch nicht nur Masse im Bereich des oberen Rückens auf, sondern gleichzeitig auch die externen Rotatoren der Schultern. Selbiges gilt für den Teil der Bewegung des Umsetzens beim Stoßen, alias Power Clean oder Power Stoßen. Diese Bewegung ist hervorragend für den Aufbau eines kraftvollen oberen Rückens, eines kraftvollen Trapezius, kraftvoller hinterer Schultermuskeln, usw. geeignet. Wenn Du diese Bereiche des oberen Rückens auch dann trainieren willst, wenn Du an Deinen Schultern arbeitest, dann verwende die Übung des Umsetzen und Drückens (Clean and Press). Diese Übung ist nicht so leicht, wie einfach auf Deinem Hintern zu sitzen und die Langhantel über dem Kopf nach oben zu drücken, aber sie ist sehr viel funktionaler und bietet Dir mehr für Deine Anstrengungen. Dies bedeutet nicht, dass Du kein Schulterdrücken im Sitzen mit Kurzhanteln oder einer Langhantel ausführen solltest. Stattdessen solltest Du diese Übungen regelmäßig gegeneinander austauschen. Es ist empfehlenswert, diese Übungen am Anfang Deiner Trainingseinheit auszuführen. Was die drei Übungen des Powerliftings angeht, wirst Du sicherlich bereits Bankdrücken und Kniebeugen ausführen, aber anstatt diese immer im Bodybuilding Stil mit höheren Wiederholungszahlen auszuführen, solltest Du sie gelegentlich so ausführen, wie ein Powerlifter dies tun würde – schweres Gewicht, niedrige Wiederholungszahlen und lange Pausen zwischen den Sätzen. Dasselbe gilt für Kreuzheben, welches in Bodybuildingkreisen traurigerweise nicht so beliebt ist, wie es sein sollte.

3. Sie lassen ihre Körperentwicklung regelmäßig ehrlich durch andere bewerten

Du bist derjenige, der am schlechtesten darin ist, Deine Körperentwicklung zu bewerten. Wenn wir uns selbst bewerten, dann neigen wir in der Regel dazu, bei unserem Urteil entweder zu kritisch oder zu wohlwollend zu sein. Egal, was von beidem auch zutreffen mag gilt, dass Du Hilfe von außen benötigst, wenn Du einen wirklich guten Körper aufbauen möchtest. Oft wird jemand, der Erfahrung darin hat, Teilnehmer von Bodybuilding Wettkämpfen zu bewerten, am besten dazu geeignet sein, Deine Körperentwicklung zu bewerten. Oder lasse einen Old-School Bodybuilder, der viel Erfahrung hat, einen Blick auf Deinen Körper werfen. Und lasse auch Personen außerhalb der Welt des Wettkampfbodybuildings, die ein wirklich gutes Auge für eine gute Körperentwicklung haben, nicht außen vor.

Bis Du eine solche Person des Vertrauens gefunden hast, lasse ein paar Leute, die gewillt dazu sind, einen Blick auf Deine Körperentwicklung werfen. Du wirst bei dem, was sie sagen, wahrscheinlich bestimmte Trends erkennen. Wenn ja, dann sind sie wahrscheinlich auf der richtigen Spur – egal ob Du das magst oder nicht. Als letzten Ausweg kannst Du Fotos von Dir selbst machen und diese so gut wie möglich bewerten, indem Du Dir vorstellst, dass diese Bilder den Körper von jemandem anderen zeigen. Es kann vielleicht helfen, wenn Du den Kopf auf den Bildern abschneidest. Bewerte Deine Körperentwicklung mehrmals jährlich. Dies ist der einzige Weg, ein personalisiertes Trainingsprogramm zu erstellen, das Dir dabei helfen wird, Deine Körperentwicklung auf die nächste Stufe zu heben.

4. Sie verwenden eine Auswahl unterschiedlicher Satz-, Wiederholungs- und Pausenschemata

Es ist wahr, dass Du, wenn Du nur in einem Wiederholungsbereich für eine Hypertrophie trainieren könntest, dies der Bereich von 8 bis 12 Wiederholungen pro Satz wäre. Drei Sätze pro Übung mit 60 bis 90 Sekunden Pause zwischen den Sätzen stellen eine solide Faustregel dar. Du solltest jedoch nicht mehr als die Hälfte Deiner Trainingszeit damit verbringen, diese „idealen“ Variablen zu implementieren. Wieder und wieder erzielen Bodybuilder die besten Resultate dadurch, dass sie während ihres Trainings mehr Zeit unter Verwendung einer Auswahl unterschiedlicher Satz- und Wiederholungsschemata und unterschiedlicher Pausenintervalle verbringen. Probiere z.B. 10 x 3 mit 2 Minuten Pause zwischen allen diesen 10 Sätzen aus. Dies für 6 bis 8 Wochen zu tun wird Wunder bewirken, was Deine Kraft angeht und außerdem Deine Muskeldichte verbessern. Wenn Du danach wieder zum bewährten 8 bis 12 Wiederholungsbereich übergehst, wirst Du dazu in der Lage sein, mehr Gewicht zu verwenden was offensichtliche Vorzüge besitzt, die letztendlich zu größeren Muskeln führen werden.

Auf der anderen Seite solltest Du gelegentlich auch Phasen mit leichteren Sätzen und kürzeren Pausenintervallen in Dein Training einbauen. Probiere z.B. 5 x 15-20 mit lediglich 20 bis 30 Sekunden Pause zwischen den Sätzen aus. Dies wird eine Menge stoffwechseltechnischen Stress generieren, der Wunder bewirken wird, wenn es darum geht, Deine Muskeln voller und „runder“ erscheinen zu lassen. Es gibt unterschiedliche Wege, um Abwechslung in Dein Training einzubauen. Du kannst Abwechslung innerhalb einer Trainingseinheit für eine spezielle Muskelgruppe verwenden oder Du kannst Trainingszyklen von grob vier bis acht Wochen Dauer verwenden, während denen Du die Betonung auf ein Training mit schweren, leichten oder moderaten Gewichten mit korrespondierenden Pausenintervallen legst.

5. Sie trainieren härter als Du! (wahrscheinlich)

Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Menschen sich darüber beschweren, dass sie scheinbar keine Fortschritte erzielen können, obwohl sie alles richtig machen…oder zumindest denken, dies zu tun. Wenn Du diesen Leuten dann beim Training zusiehst, dann wirst Du sehen, dass sie nicht einmal annähernd hart genug trainieren. Du wirst wahrscheinlich denken, dass dies auf Dich nicht zutrifft, sondern nur auf andere, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch Du nicht hart genug trainierst. Hierbei handelt es sich einfach nur um die statistische Wahrheit.

Tatsache ist, dass hart zu trainieren…nun, es ist wirklich hart! Es bedarf eines außergewöhnlichen Fokus und noch mehr Anstrengungen, um Dich weiter anzutreiben, wenn jeder Teil Deines Körpers und Deines Gehirns Dir sagen, dass Du aufhören sollst. Wenn Du jedoch dazu in der Lage bist, den Schmerz auszublenden und weiter zu machen, dann wirst Du herausfinden, dass Du hierdurch Fortschritte anregen kannst wie nie zuvor. Um eines klar zu stellen – wir sprechen hier nicht davon, bei jedem einzelnen Satz Woche für Woche hart zu trainieren. Dies würde innerhalb von kürzester Zeit zu einem Übertraining führen. Wir sprechen vielmehr über eine intelligente Anwendung eines Trainings, bei dem Du alles gibst. Sobald Du herausgefunden hast, dass ein bestimmter Satz bis zum konzentrischen Muskelversagen ausgeführt werden muss, führst Du diesen Satz so aus, als ob Dein Leben davon abhängen würde und erzwingst so viele Wiederholungen wie menschenmöglich! Dies zu tun ist in etwa so, wie wenn Du Deinen Muskeln befielst zu wachsen anstatt sie höflich darum zu bitten.

Und es geht hier nicht nur um die Ausführung von mehr Wiederholungen – es geht darum, dass Du bei jeder konzentrischen Phase einer Wiederholung alles gibst. Dies wird eine maximale Stimulation des Muskels durch eine Maximierung der Anzahl arbeitender Muskelfasern sicherstellen. Um dies zu erreichen, musst Du damit beginnen, Dich 30 bis 60 Minuten vor dem Training auf die folgende Trainingseinheit mental vorzubereiten. Verwende die Fahrt zum Fitnessstudio als Teil dieser Vorbereitungszeit und drehe Musik, die Dich anfeuert laut auf. Sobald Du das Fitnessstudio erreicht hast, musst Du diesen Fokus aufrecht erhalten. Chatte nicht mit Deiner Freundin, poste nichts auf Facebook und schau auch nicht nach, wer was auf Instagram gepostet hat. Konzentriere Dich auf Deinen nächsten Satz.

Zu Beginn wird Dir dies wahrscheinlich extrem schwer fallen, aber es wird im Lauf der Zeit leichter werden. Aber erwarte nicht, dass es jemals wirklich leicht sein wird. Wenn Training so leicht wäre, dann hätten viele Menschen einen hervorragenden, muskulösen Körper.

6. Muskulöse Trainierende wissen, wann sie eine Pause machen müssen

Nicht häufig genug eine Pause einzulegen ist der mit Abstand größte Fehler, den die Leute beim Bodybuilding machen. Dieser Fehler geht auf das Verlangen, die Konkurrenz stets übertreffen zu wollen und den fehlerhaften Denkprozess, dass mehr besser ist zurück. Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus: Woche für Woche mit hoher Intensität zu trainieren wird seinen Tribut zollen – insbesondere, was das zentrale Nervensystem angeht. Dies gilt besonders dann, wenn Du die meisten Sätze bis zum Muskelversagen ausführst.

Wir neigen dazu zu denken, dass wir uns ausreichend erholt haben, wenn wir keinen Muskelkater mehr verspüren, doch dies ist nicht nur ein schlechter Indikator dafür, dass die Myofibrillen tatsächlich repariert wurden, sondern ignoriert auch die Regeneration des ZNS.

Um eine vollständige Regeneration sicherzustellen, solltest Du deshalb zwei Typen von Pausen verwenden:

  1. Pausen von hartem Training
  2. Vollständige Pausen von jeglichem Training

Was die Pausen von intensivem Training angeht, solltest Du Dein Training in 8 Wochen Blöcke aufteilen. Während dieser 8 Wochen trainierst Du 5 Wochen mit voller Intensität. Während der anderen 3 Wochen gehst Du bei Deinen Arbeitssätzen nicht bis zum Muskelversagen, sondern beendest Deine Sätze zwei bis drei Wiederholungen vor Erreichen des Muskelversagens. Was die vollständigen Pausen vom Training angehen, solltest Du Dir entweder alle 8 Wochen eine halbe trainingsfreie Woche gönnen, oder eine volle Woche alle 16 Wochen. Dies mag nach viel Zeit klingen, aber wenn Du wirklich hart trainierst, dann wirst Du hiervon profitieren.

7. Sie haben einen Plan

„Wenn Du nicht planst, dann planst Du zu versagen.“ Dies ist ein gutes Zitat, das definitiv auf den Erfolg beim Bodybuilding anwendbar ist. Bodybuilder, die einfach nach Gefühl trainieren, neigen dazu Bodybuilder zu sein, die sich auf einem niemals endenden Plateau befinden. Jungs, die kontinuierliche Fortschritte erzielen, haben einen Plan, was sowohl Training, als auch Ernährung angeht. Egal ob Dein Ziel darin besteht, Muskeln aufzubauen, Fett zu verlieren oder eine Kombination von beidem zu erreichen, kann ich einfach nicht oft genug wiederholen, wie wichtig es ist, einen Plan zu haben.

Es scheint so, dass Trainingspläne von 6 bis 8 Wochen und Ernährungspläne von 2 Wochen Dauer dazu neigen, optimal zu sein, aber natürlich kannst Du die Dauer etwas in die eine oder andere Richtung anpassen, ohne deren Effektivität zu beeinträchtigen. Was immer Du auch tust – Du solltest nicht von Mahlzeit zu Mahlzeit oder von Trainingseinheit zu Trainingseinheit zwischen unterschiedlichen Plänen hin und her schwanken. Und versuche nicht, so etwas als „instinktives Training“ oder „instinktive Ernährung“ zu rechtfertigen. Wenn Du so etwas tust, dann bist Du den Launen Deiner augenblicklichen Stimmung, Deines augenblicklichen Energiestatus, usw. ausgeliefert und das ist ganz einfach nicht optimal.

8. Sie führen ein Trainingslog

Wenn es um Dein Training geht, dann ist Dein Trainingstagebuch eine Erweiterung Deines augenblicklichen Trainingsprogramms. Ohne Dein Trainingslog wirst Du bezüglich eines großen Teils Deiner Trainingseinheit improvisieren müssen. Ein Trainingsplan wird Dir sagen, welche Übungen Du ausführen sollst, wie viele Sätze Du ausführen sollst und welchen Wiederholungsbereich Du verwenden sollst. Aber es ist Dein Trainingslog, das Dir genau sagen wird, wie viel Gewicht Du verwenden sollst und wie viele Wiederholungen Du ausgeführt hast, als Du diese Trainingseinheit oder diese Übung zum letzten Mal ausgeführt hast. Nur mit diesen Informationen kannst Du das richtige Gewicht wählen und wissen, auf wie viele Wiederholungen Du bei Deiner augenblicklichen Trainingseinheit abzielen sollst. Sagen wir, dass Dein Trainingsprogramm nach 4 Sätzen a 8 bis 10 Wiederholungen Kniebeugen verlangt. Du schaust in Dein Trainingslog und siehst, dass Du – ohne Berücksichtigung der Aufwärmsätze – während Deiner letzten Trainingseinheit 275 Pfund x 11, 285 Pfund x 10, 295 Pfund x 8 und 295 Pfund x 7 bei diesen 4 Sätzen ausgeführt hast.

Du weißt dann, dass Du heute auf etwas in der Richtung von 285 Pfund x 10, 290 Pfund x 9, 295 Pfund x 8 und 295 Pfund x 8 abzielen solltest. Du hast Deine Gewichtsauswahl so modifiziert, dass Du Dich beim ersten Satz wieder im Bereich von 8 bis 10 Wiederholungen befindest und Dich beim letzten Satz um eine Wiederholung verbessert, indem Du 8 anstelle von 7 Wiederholungen mit 295 Pfund ausgeführt hast.

Ohne ein Trainingstagebuch kannst Du ganz einfach nicht mit diesem Grad der Präzision trainieren. Und Du hast nicht den Vorzug zu sehen, wo Du potentiell und realistisch eine weitere Wiederholung herausholen kannst.

9. Sie achten auf ihren Körper

Einige Trainierende sind nicht besonders gut darin, auf ihren Körper zu achten. Sie denken, dass alles gut ist, so lange sie gut aussehen – ein klassisches Beispiel von Naivität. Dies sind gleichzeitig auch die Trainierenden, die nur ein paar wenige glorreiche Jahre haben.

Als erstes solltest Du auf Schmerzen achten. Aus irgendwelchen Gründen wird es als taff angesehen, durch Verletzungen hindurch zu trainieren, aber taff bedeutet hier nicht intelligent. Schmerz ist der Weg Deines Körpers Dir zu sagen, dass etwas schief läuft. Sagen wir, dass Du Langhantelcurls ausführst und Schmerzen an der Innenseite Deines Ellenbogens verspürst. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine einsetzende mediale Epikondilytis alias Tennisellenbogen. Wenn diese frühzeitig behandelt wird, bereitet sie kaum Probleme. Wenn sie jedoch über Wochen oder sogar Monate ignoriert wird, dann wird es sehr viel schwerer werden, diese zu behandeln und es wird deutlich länger dauern, bis Du wieder schmerzfrei trainieren kannst. Nebenbei erwähnt kannst Du durch ein regelmäßiges Dehnen der Handgelenksflexoren die Entwicklung eines Tennisellenbogens von vorne herein vermeiden. Und wenn wir gerade beim Dehnen sind, sollte erwähnt werden, dass dies etwas ist, das Du täglich tun solltest. Siehe Dehnen als Teil Deines Trainings an – denn es ist ein Teil hiervon!

Selbiges gilt für ein Arbeiten mit der Faszienrolle und – falls Du es Dir leisten kannst – regelmäßige Weichgewebsmassage. Zu guter Letzt solltest Du, wenn Du über 35 Jahre alt bist oder leistungssteigernde Substanzen verwendest, regelmäßig Deine Blutwerte untersuchen lassen und vielleicht auch Deinen Urin untersuchen lassen. Genau wie bei Weichgewebeverletzungen sind Probleme, die mit Hilfe solcher Untersuchungen frühzeitig gefunden werden können, sehr viel schneller und leichter korrigierbar. Und selbst wenn Dir Deine Gesundheit völlig egal ist und es Dir nur wichtig ist, möglichst muskulös und stark zu werden, musst Du Dich um Deinen Körper kümmern. Ansonsten wirst Du früher oder später mit einer Verletzung oder Krankheit enden, die Dich dazu zwingen wird, Dir eine Auszeit vom Training zu nehmen, während der Du definitiv keine Fortschritte erzielen wirst.

10. Sie betrachten alles nüchtern

Das Leben besteht aus mehr als Training mit Gewichten und essen. Ohne Zweifel wird Dich Bodybuilding (egal ob als Wettkampfsport oder als Freizeitsport) unter anderem Disziplin, Geduld, Zielsetzung und gute alte mentale Härte lehren. Jeder Mensch würde davon profitieren, zumindest eine Zeit lang während seines Lebens hart zu trainieren und sich wirklich gut zu ernähren, um seine Körperentwicklung auf die nächste Stufe zu heben. Aber Du solltest auch sicherstellen, dass Bodybuilding Deine Lebensqualität verbessert, anstatt diese zu reduzieren. Meidest Du z.B. soziale Aktivitäten mit Freunden und Familie, weil Du eine Mahlzeit verpassen oder weniger als 7 oder 8 Stunden Schlaf bekommen könntest? Hast Du schon einmal wegen Deines Trainings auf einen Ausflug oder Urlaub verzichtet, weil Du ein paar Mahlzeiten und Trainingseinheiten verpasst hättest?

Wenn Du jedoch ein paar Monate oder Jahre nach vorne spulst, dann wird es dieser Urlaub sein, an den Du Dich erinnerst und über den Du sprichst – und nicht eine weitere Woche des Trainings mit 6 Mahlzeiten pro Tag. Es gibt Zeiten, während denen man auf bestimmte Aktivitäten verzichten muss, aber wenn Du Dich nicht gerade in der heißen Phase vor einem wirklich wichtigen Wettkampf befindest, dann kannst Du wahrscheinlich auch mal etwas nachlässiger bei Training und Ernährung sein und Spaß mit Freuden oder Familie haben. Betrachte Deine Muskelaufbauziele nüchtern, was insbesondere dann gilt, wenn Du nicht Deinen Lebensunterhalt mit Deiner Körperentwicklung bestreitest. Oder möchtest Du wirklich mit einem tollen Körper und einem nichtexistenten Sozialleben und/oder Familienleben enden?

11. Sie folgen nicht blindlings den Ratschlägen muskulöserer Bodybuilder

Mein augenblicklicher Trainingspartner ist ein wirklich guter Wettkampfbodybuilder, der sich ein paar Wochen vor einem Wettkampf befindet. Mit anderen Worten ausgedrückt, sieht er hervorragend aus! Ich auf der anderen Seite, habe nach einer längeren Auszeit gerade erst wieder mit dem Training angefangen. Mit anderen Worten ausgedrückt sehe ich also wie ein „Normalsterblicher“ aus. Wenn also Leute kommen, um Trainings- und Ernährungsfragen zu stellen, wen werden sie wohl fragen? Ihn natürlich. Er wird dann schnell und offen hervorheben, dass ich der bessere Ansprechpartner für diese Fragen sei, da ich sein Trainer bin.

Es ist völlig natürlich, dass man Ratschläge von jemandem bekommen möchte, der so aussieht, wie man selbst gerne aussehen würde. Es besteht jedoch ein großer Unterschied darin, ein guter Sportler oder ein guter Trainer zu sein. Es wäre z.B. besser beim Trainer von Venus Williams Tennisstunden zu nehmen, als bei Venus Williams selbst. Die Realität ist, dass viele Bodybuilder nicht aufgrund dessen, was sie tun, sondern trotz dessen, was sie tun, hervorragend aussehen.

Bevor ich jemals einen Profibodybuilder trainiert hatte, dachte ich, dass diese Sportler wandelnde Lexika für Trainings- und Ernährungsinformationen wären. Einige sind es auch, aber die Realität ist, dass die meisten es nicht sind. In der Tat wirst Du einige der absurdesten Dinge aus dem Mund von Bodybuildern und Figurathleten auf höchstem Level hören – insbesondere dann, wenn es um die Ernährung geht. Der Punkt ist, dass Du nicht einfach blind den Ratschlägen von jemandem folgen solltest, nur weil dieser hervorragend aussieht. Diese Person könnte auch lediglich aufgrund ihrer genetischen Veranlagungen, leistungssteigernden Verbindungen oder einer Kombination von beidem toll aussehen. Stattdessen solltest Du Dir einen guten Trainer suchen oder danach streben, selbst einer zu werden.

12. Erfolgreiche Kraftsportler sind konsistent

Selbst wenn Du über die besten genetischen Veranlagungen verfügst, wirst Du im Bereich des Bodybuildings ohne Konsistenz nirgendwohin kommen. Gleichzeitig kannst Du selbst mit einer weniger als optimalen genetischen Veranlagung einen eindrucksvollen Körper aufbauen, wenn Du gewillt bist über einen ausreichend langen Zeitraum konsistent zu sein. Um eines klar zu stellen – ich spreche hier von Konsistenz im Bereich von Training und Ernährung und nicht nur vom einen oder vom anderen. Training und Ernährung gehen wie Motor und Getriebe Hand in Hand – das eine wird ohne das andere nicht funktionieren. Zu viele Menschen trainieren und essen ein paar Wochen oder vielleicht sogar ein paar Monate gut, werden dann jedoch irgendwann entmutigt und hören auf damit. Dann werden sie vielleicht irgendwann wieder anfangen und eine Zeit lang konsistent bleiben, nur um danach erneut wieder zu früh aufzuhören.

Muskelaufbau ist etwas anderes als Briefmarkensammeln! Wenn Du einmal damit aufhörst, kannst Du nicht später einfach da weitermachen, wo Du zuvor warst. Stattdessen musst Du erneut von vorne beginnen. Das ist der Grund dafür, dass Konsistenz so entscheidend ist. Um Deine Körperentwicklung wirklich zu maximieren, benötigst Du 5 bis 6 Mahlzeiten pro Tag und musst an 4 oder 5 Tagen pro Woche über mehrere Jahre am Stück trainieren. Es tut mir leid, wenn ich Deine Illusionen zerstört habe, falls Du etwas Leichteres erwartet hattest. Wenn Du ein leichteres Hobby suchst, dann probiere das bereits erwähnte Briefmarkensammeln, das Restaurieren alter Autos oder etwas anderes aus, das nicht dieselbe irrsinnige Menge an konsistenter Disziplin wie der Aufbau von Muskeln bedarf.

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