Eine Frage der Ernährung - Teil 4

  • Eine Frage der Ernährung - Teil 4

Thunfisch und Quecksilber?

F: Was ist das letzte Wort zum Thema Thunfisch und Quecksilber? Thunfisch ist ein Bodybuilding Grundnahrungsmittel, doch ich beginne mir Sorgen darüber zu machen, dass ich zu viel davon esse.

A: Die kurze Antwort: mach Dir keine Sorgen hierüber. Ich sage dies als jemand, der sich so viele Sorgen wie jeder andere über die toxischen Auswirkungen von Quecksilber macht – ganz zu schweigen von den halbherzigen Anstrengungen der Regierung, dieses Problem zu kontrollieren. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich Quecksilber in vielen Fischen wiederfindet. Kompliziert wird es dann, wenn wir versuchen die Menge zu definieren, ab der es wirklich eine Gefahr für unsere Gesundheit darstellt. Dies hängt von einer Menge unterschiedlicher Faktoren ab. Eine schwangere Frau und der sich entwickelnde Fötus sind sehr viel anfälliger für die toxischen Wirkungen von Quecksilber, als dies beim durchschnittlichen Bodybuilder der Fall ist. Viele der Warnungen aufgrund von hohen Quecksilbermengen in Fisch zielten in der Tat auf diese Population (schwangere Frauen und nicht Bodybuilder) ab.

Dann ist da die Frage, wie wir eine „sichere“ Menge definieren. Viele Menschen glauben, dass die offiziellen Standards zu lasch sind. Für sie ist dies so, als ob man sagen würde, dass rasen erst dann ein Problem wird, wenn man über 180 km/h schnell ist. Wenn dies der Standard ist, dann fahren fast alle von uns sicher. Aber betrachten wir das ganze aus einer anderen Richtung. Wenn Du aufhörst Fisch zu essen, dann zahlst Du einen Preis hierfür. Die meisten Experten glauben, dass die Folgen für die allgemeine Gesundheit davon, völlig auf Fisch zu verzichten, weitaus gravierender als mögliche Probleme sind, die durch Quecksilber in unserem Körper hervorgerufen werden können. Es gibt zwei Dinge, die Du tun kannst: Erstens solltest Du reichlich Selen zu Dir nehmen, welches eine chelierende Auswirkung auf Quecksilber zu haben scheint. Zweitens kannst Du versuchen Thunfisch zu finden, der weniger Quecksilber enthält.

Insgesamt bin ich der Ansicht, dass die Vorzüge von Kaltwasserfisch wie Thunfisch und Lachs, welche solch hervorragende Quellen für Protein und Omega-3 Fettsäuren sind, die möglichen Gefahren mehr als aufwiegen. Wenn Du schwanger bist, dann wird mein Rat etwas anders aussehen, aber auch nicht so sehr viel anders.

Iss viel, stirb jung?

F: Ich habe ein Problem. Ich möchte so viele Muskeln wie möglich aufbauen und das bedeutet viel zu essen und hart zu trainieren. Aber ich möchte auch lange leben und es scheint so, als ob eine Kalorienrestriktion hierbei helfen könnte. Funktioniert eine Kalorienrestriktion? Sterben Bodybuilder wie ich jung?

A: Gute Frage und ich wünschte, ich hätte eine perfekte Antwort. Wie in vielen Bereichen des Lebens muss die beste Strategie für ein Ziel (Training für einen Marathon oder die Arnold Classics) nicht notwendigerweise auch die beste Strategie für ein anderes Ziel (so lange wie die Soja liebenden Menschen aus Okinawa zu leben) sein. Ich kenne keine Studie, die untersucht hat, wie lange Profibodybuilder leben, aber es könnte Sinn machen, sich ein paar Beispiele anzusehen. Du wirst Dich vielleicht noch an Chris Dickerson, den Gewinner des Mr. Olympia Titels aus dem Jahr 1982 erinnern.

Als ich Mitte der Neunziger in New York lebte, trainierte ich im selben Fitnessstudio, in dem Chris als Trainer arbeitete. Er sah natürlich nicht mehr so wie 1982 auf der Bühne aus, aber er sah fit, gesund und robust aus. Und ein Freund von mir, der ehemalige Mr. America Tom Terwilliger ist das Paradebeispiel für eine gute Gesundheit. Er ist ein erfolgreicher Motivationstrainer, aber er ist nur noch ein schmales Abbild von dem Mann, der einst das Titelbild von Muscular Development zierte. Auch wenn ich nicht für diese Jungs sprechen kann, gehe ich davon aus, dass keiner von ihnen weiterhin dasselbe „Supplement Programm“ von früher verwendet oder weiterhin so hart trainiert. Selbiges gilt für Lee Labrada. Aber diese Jungs sind sehr gut in Form und leben einen gesunden und aktiven Lebensstil. Es ist schwer einen Grund zu finden, warum sie früh sterben sollten. Ganz im Gegenteil.

Abgesehen hiervon zeigt die Wissenschaft, dass eine Kalorienrestriktion eine potentiell wirkungsvolle Strategie zur Lebensverlängerung ist. Eine Reduzierung um 25 bis 33 Prozent scheint hierfür auszureichen. Das ist nicht die Art von Strategie, die man befolgen würde, wenn man Muskeln aufbauen möchte, aber Du musst nicht wie eine vegane Bohnenstange aussehen, um von den Vorzügen profitieren zu können. Ich persönlich würde sagen, dass so lange Deine Kalorien aus wirklich guten Quellen stammen, Du Deinen Körper nicht missbrauchst (Du weißt, was ich meine), Du adäquate Mengen an Ruhe, Sonne und Schlaf bekommst und Dein Leben ausgeglichen ist, alles in Ordnung sein sollte. Und erinnere Dich daran, dass sich unsere Ziele verändern, wenn wir älter werden. Wenn Du auf die 60 zugehst, wird es für Dich wahrscheinlich nicht mehr so wichtig sein, wie Dorian Yates auszusehen. Dir werden vermutlich ein niedriger Körperfettanteil, reichlich Energie, eine nette Muskulatur und gut funktionierende Sexualorgane völlig ausreichen. Der muskulöseste Mann im Viertel zu sein wird weniger wichtig sein, als am Leben und gesund zu sein.

Chia

F: Ich habe Behauptungen gesehen, dass Chia Samen besser als Leinsamen oder sogar Fischöl sein sollen. Was denkst Du hierüber?

A: Ich würde mal raten: Du hast diese Behauptungen von jemandem gehört, der versucht hat, Dir Chia zu verkaufen. Chia scheint ein gutes Nahrungsmittel und ein brauchbarer Ersatz für Leinsamen als Quelle für pflanzliche Omega-3 Fettsäuren zu sein. Die USDA Datenbank zeigt, dass Chia Samen etwas mehr Ballaststoffe und etwas mehr Kalzium und Phosphor enthalten, während Leinsamen etwas mehr Protein und mehr undifferenzierte mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten. Alles in Allem unterscheiden sie sich nicht so stark voneinander. In den Mengen, die Du wahrscheinlich konsumieren wirst – ein paar Esslöffel hier und da – sollte es abgesehen von der Bequemlichkeit keinen großen Unterschied machen, ob Du Leinsamen oder Chia Samen verwendest. Leinsamen müssen geschrotet werden, da sie eine harte Schale haben, während dies bei Chia Samen nicht der Fall ist.

Um fair zu sein, sollte erwähnt werden, dass es ein paar Studien zu Chia – einem Mitglied der Familie der Minze mit dem lateinischen Namen Slavia Hispanica L. – gibt, die zeigen, dass Chia den Blutdruck senken, Entzündungen lindern und die Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern verbessern kann. Aber es gibt auch viele Untersuchungen bezüglich der Vorzüge von Leinsamen. Etwas, das Leinsamen Chia Samen voraus haben, ist die Gegenwart von Lignanen, welche zahlreiche Gesundheitsvorzüge inklusive einer Anti-Krebs Wirkung aufweisen. Es gibt eine Menge Presseberichte über eine besondere Marke von Chia Samen namens Salba, deren Hersteller behauptet, dass sie regulären Chia Samen weit überlegen sind. Diese Salba Chia Samen wurden auch bei der oben erwähnten Studie verwendet.

Aber Wayne Coates, ein Professor an der University of Arizona und Autor eines Buches zum Thema (Chia: Rediscovering a Forgotten Crop of the Aztecs) glaubt, dass das Marketing von Salba nicht mehr als reines Marketing ist, da Salba nichts anderes als gewöhnlicher weißer Chia ist. Seine Website vergleicht weißen und schwarzen Chia und man sieht auf den ersten Blick, dass es keinen Unterschied gibt. Es besteht also kein Grind dafür, einen höheren Preis für Salba zu zahlen. Was den Vergleich von Chia mit Fischöl angeht, ist dieser völlig lächerlich. Chia Samen und Leinsamen sind Quellen für Alpha-Linolensäure, eine pflanzliche Omega-3 Fettsäure, weshalb es nicht fair ist, Chia mit Fischöl zu vergleichen. Fischöl enthält EPA und DHA, zwei völlig andere Omega-3 Fettsäuren, die nicht mit Alpha-Linolensäure vergleichbar sind. Der Körper wird EPA und DHA aus Alpha-Linolensäure herstellen, wobei die Umwandlungsrate jedoch nicht besonders hoch ausfällt. Wenn Alpha-Linolensäure Deine einzige Quelle für Omega-3 Fettsäuren ist, dann solltest Du sicherstellen, jeden Tag mindestens einen oder besser mehrere Esslöffel Leinöl oder ein paar Esslöffel Leinsamen oder Chia Samen zu Dir zu nehmen. Auf der anderen Seite kannst Du Chia Samen auch auf eine dämliche kleine Tonfigur kleben und diese jemandem zu Weihnachten schenken, der keine Videospiele kennt.

Gestresst? Wie wäre es mit L-Theanin

F: Ist es wahr, dass mit die Aminosäure Theanin beim Entspannen helfen kann?

A: Ich habe in meinem Buch The Most Effective Natural Cures on Earth etwas über die Aminosäure Theanin geschrieben, von der gesagt wird, dass sie die Fähigkeit besitzt innere Unruhe und Ängstlichkeit zu lindern, was sie auch tut.

Bei Theanin handelt es sich um eine nicht in normalem Nahrungsprotein vorkommende Aminosäure, die sich in grünem Tee wiederfindet, was einer der Gründe dafür sein könnte, dass grüner Tee trotz seines Koffeingehalts keine innere Unruhe hervorruft. Ich finde Theanin sehr hilfreich und habe immer etwas davon zur Hand, wenn ich mit Verlegern und Redakteuren zu tun habe. Theanin blockiert die Bindung von L-Glutamatsäure, einem anregenden Neurotransmitter, an die Glutamatrezeptoren im Gehirn. Wenn Du Dir Glutamatsäuremoleküle als Lampen und die Rezeptoren als elektronische Anschlüsse an einer Wand vorstellst, dann schaltet Theanin einige dieser Anschlüsse ab. Weniger Lampen werden eingeschaltet, es gibt weniger helles Licht und das Gehirn wird weniger stark „erregt“. Macht das Sinn?

Eine Studie aus dem Jahr 1999 untersuchte die Gehirnaktivität von Freiwilligen, denen 50 bis 200 mg L-Theanin verabreicht wurden. Das Supplement half dabei, Alpha-Wellen im Gehirn zu generieren, welche entspannend wirken. Theanin erhöhte außerdem die Spiegel des beruhigenden Neurotransmitters GABA.

Macht Cola Light dick?

F: Werden mich Light Getränke fett machen, wie einige Studien behaupten? Wie kann etwas ohne Kalorien diese Wirkung besitzen?

A: Wir wissen nicht mit Sicherheit, dass sie Dich dick machen werden, aber sie werden auf mehreren Wegen mit Übergewicht in Verbindung gebracht.

Vor zwei Jahren fand eine Studie des University of Texas Health Science Center heraus, dass es pro konsumierte Dose Light Getränke ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko gab, übergewichtig zu werden. „Wir beobachteten, dass die Wahrscheinlichkeit Gewicht aufzubauen um so höher lag, je mehr Light Getränke eine Person trinkt,“ sagte Sharon Fowler, ein Epidemiologe, der die American Diabetes Association repräsentiert.

Wir wissen nicht, warum dies geschieht, aber wir haben einige Theorien. Eine ist psychologischer Natur. Viele Menschen konsumieren unbewusst mehr Nahrung, weil sie denken, dass dies in Ordnung ist, da sie Cola Light trinken. Ich bezeichne dies als Disneyland Theorie – fahre ins Disneyland und beobachte die Leute mit einer riesigen Portion Pommes in einer Hand und einem Light Getränk in der anderen.

Eine zweie Theorie ist, dass der süße Geschmack eine Insulinreaktion durch eine klassische Konditionierung – wie beim Pavlovschen Hund – hervorrufen könnte, auch wenn das Getränk in Wirklichkeit keine Kalorien liefert. (Anmerkung des Übersetzers: diese Theorie wurde durch zahlreiche Studien eindeutig widerlegt, da zumindest beim Menschen eine Insulinausschüttung ausschließlich als Reaktion auf eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels zustande kommen kann. Tierstudien sind hierbei nicht aussagekräftig, da bei einigen Spezies die Insulinausschüttung auch durch andere Faktoren angeregt werden kann.) Die vielversprechendste Theorie ist jedoch, dass kalorienfreie Getränke, die so schmecken, als ob sie Kalorien liefern sollten, auf irgendeine Art und Weise die Regelmechanismen des Gehirns für eine Kontrolle von Appetit und Kalorienkontrolle stören.

Niemand kennt bis jetzt die wahren Gründe. Es könnte sich alles als Zufall herausstellen – fette Menschen trinken einfach mehr Light Getränke. Ich bezweifle dies jedoch. Wie auch immer, es gibt noch zahlreiche weitere Gründe auf die Chemikalien und künstlichen Süßstoffe in Light Getränken zu verzichten – unabhängig davon, ob sie tatsächlich einen Einfluss auf das Gewicht besitzen.

Ist alles für den Abfluss?

F: Ich höre in letzter Zeit immer öfter, dass Vitamine und andere Supplements nicht mehr bewirken, als “teuren Urin” zu generieren. Ist das wahr? Pinkle ich wirklich alles wieder aus?

A: Wenn Dir das nächste Mal irgend ein Idiot so etwas erzählt, dann bitte ihn darum, das Konzept des Kokainsüchtigen zu erklären, der einen Wochenlohn für Koks ausgibt oder eines Mr. Olympia Teilnehmers, dessen Medizinschrank voll von Deca und Dianabol ist.

Wenn einer dieser Jungs in einen Becher pinkelt, dann wirst Du Spuren seiner Drogen bzw. Medikamente finden. Bedeutet dies, dass diese Wirkstoffe zwischen Einnahme und Ausscheidung nichts bewirken? Natürlich nicht. Wenn keine Spuren dieser Drogen in der Urinprobe auftauchen würden, dann hätten die Dealer etwas zu erklären.

Teurer Urin? Verschon mich mit so einem Blödsinn.

Von Jonny Bowden
Quelle: https://www.t-nation.com/diet-fat-loss/question-of-nutrition-4

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