Der beste Kortisolartikel aller Zeiten Was Kortisol wirklich tut und wie man es kontrolliert

  • Der beste Kortisolartikel aller Zeiten Was Kortisol wirklich tut und wie man es kontrolliert

Kortisol ist wie ein Schreckgespenst. Um Trainierende davon abzuschrecken extreme Dinge zu tun sagen wir ihnen, dass Kortisol ihre Zuwächse auffressen wird. Auch wenn diese Aussage einen wahren Kern hat, repräsentiert sie nicht das Gesamtbild.

Ob Du es glaubst oder nicht- im Körper gibt es kein einziges Hormon, dessen Aufgabe darin besteht, den Körper zu zerstören. Kortisol besitzt viele Schlüsselfunktionen, aber manchmal verursacht dieses Hormon ein paar Kollateralschäden, wenn es darum geht, nackt gut auszusehen. Werfen wir einen näheren Blick auf dieses Hormon.

 

Die Funktionen von Kortisol

Ich bezeichne Kortisol als das “Bereitschaftshormon” anstatt es Stresshormon zu nennen. Seine Hauptaufgabe besteht darin sicherzustellen, dass Du dazu bereit bist, mit jeder potentiell bedrohlichen Situation fertig zu werden.

  1. Es steigert Wachsamkeit, Fokus, Energie und Antrieb. Es tut dies, indem es Deine Adrenalinspiegel erhöht. Kortisol steigert Spiegel und Aktivität eines Enzyms namens Phenylethanolamin-N-Methyltransferase (PNMT). Dieses Enzym wandelt Noradrenalin in Adrenalin um. Über diese Aktion erhöht Kortisol die Adrenalinspiegel, was einen direkten Einfluss auf Deinen Bewusstseinszustand hat.
  2. Kortisol erhöht Schlagfrequenz und Kontraktionskraft des Herzens. Dies unterstützt den Sauerstofftransport zu den Muskeln und den Abtransport von Stoffwechselabfallprodukten. Auch dies geschieht über eine Erhöhung der Adrenalinspiegel
  3. Er erhöht die kontraktile Kraft der Muskeln. Dies ist die dritte Auswirkung erhöhter Adrenalinspiegel.
  4. Es mobilisiert gespeicherte Energie. Es tut dies um zu verhindern, dass dir die Energie ausgeht, wenn Du gegen einen Säbelzahntiger kämpfst oder vor ihm fliehst. Dies ist ein unselektiver Prozess, was bedeutet, dass alle potentiellen Energiequellen durch Kortisol aufgebrochen und mobilisiert werden: Muskel- und Leberglykogen, Fettsäuren aus Körperfett und Aminosäuren aus dem Muskelgewebe.
  5. Es hilft dabei stabile Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten. Es erhöht den Blutzucker, wenn dieser zu niedrig ist (zusammen mit Glukagon und Wachstumshormonen).
  6. Es hemmt das Immunsystem. Dies geschieht, um sicherzustellen, dass Du über mehr Ressourcen verfügst, um den Feind zu bekämpfen. Genauso wie bei Star Trek, wenn der Captain während einer Schlacht sagt „Alle verfügbare Energie auf die Schilde umleiten!“, tut der Körper dasselbe, wenn ihm Kortisol sagt, dass er einem Feind gegenübersteht. Während Zeiten des Kampfes wird das Immunsystem gehemmt und sobald die Kortisolspiegel wieder sinken, wird es wieder vollständig hochgefahren, um die Schäden des Kampfes zu reparieren.

 

Hinweis: Du kannst Kortisol von keiner seiner Funktionen trennen. Wenn es erhöht ist, werden all diese 6 Dinge geschehen.

Kortisol ist also ein notwendiges und recht wichtiges Hormon. Es ist essentiell die Kortisolspiegel zu erhöhen, wenn Du gegen einen Tiger kämpfst, eine neue persönliche Bestleistung beim Kreuzheben aufstellst oder versuchst beim Football in Ballbesitz zu kommen. Wenn die Kortisolspiegel jedoch zu lange erhöht sind, dann kann dies negative Auswirkungen besitzen.

Werfen wir einen Blick darauf, wie dies unser Muskelwachstum, unseren Fettabbau unsere Regeneration und unser Wohlbefinden beeinflusst.

 

Kortisol und Muskelwachstum

Wenn die Kortisolspiegel chronisch erhöht sind, kann dies Dein Muskelwachstum über mehrere Mechanismen beeinträchtigen:

  1. Kortisol erhöht den Muskelabbau direkt. Die Menge an Muskeln, die Du aufbaust, hängt vom Unterschied zwischen Proteinabbau (Katabolismus) und Proteinsynthese (Anabolismus) ab. Wenn Du den Proteinabbau erhöhst (was Kortisol tut), dann wird es deutlich schwerer werden Muskel aufzubauen.
  2. Kortisol reduziert die Nährstoffaufnahme durch die Muskeln. Dies macht es schwerer Aminosäuren und Glukose in die Muskeln zu schleusen, um Muskelgewebe aufzubauen und die Muskelglykogenspeicher wiederaufzufüllen.
  3. Es erhöht die Myostatinspiegel. Myostatin ist ein Myokin (Protein), das von den Muskeln ausgeschüttet wird und das Muskelwachstum hemmt. Je mehr Myostatin Dein Körper produziert, desto weniger Muskeln kannst Du aufbauen. Durch eine Erhöhung der Myostatinspiegel werden chronisch erhöhte Kortisolspiegel Dein Wachstumspotential begrenzen.
  4. Im Laufe der Zeit kann Kortisol die Testosteronspiegel senken. Testosteron und Kortisol werden beide aus Pregnenolon hergestellt. Wenn Dein Körper zu viel Kortisol produziert kann dies die Menge an verfügbarem Pregnenolon reduzieren, das zur Herstellung von Testosteron zur Verfügung steht.
  5. Es verlangsamt die Muskelreparatur. Die Reparatur von beschädigtem Muskelgewebe nach einer Trainingseinheit hängt stark von Deinem Immunsystem ab. Chronisch erhöhte Kortisolspiegel schwächen das Immunsystem wodurch die Muskelreparatur weniger effizient wird.

 

Nach einer Trainingseinheit ist die Proteinsyntheserate für 24 bis 36 Stunden erhöht (wenn auch nur für 24 bis 30 Stunden signifikant). Dies ist das Zeitfenster das Du hast, um die Muskelschäden zu reparieren und neues Muskelgewebe aufbauen. Wenn Dein Immunsystem geschwächt ist, dann kann es sein, dass Dein Körper diesen Zeitraum vollständig dafür braucht, um einfach nur die verursachten Schäden zu reparieren. Dies bedeutet, dass Du während dieses Zeitfensters keine Zeit hast Muskeln aufzubauen. Dies ist ein Dilemma, das Deinen Muskelaufbau sehr langsam machen kann.

 

Kortisol und Fettabbau

Wenn Du mit dem Körperkompositionsanalyseansatz (Biosignatur, Bioprint, Stoffwechselanalysen) vertraut bist, dann weißt Du, dass das System behauptet, dass überschüssiges Kortisol zu einer Fettspeicherung im Bauchbereich führt.

Wenn Du Dich daran erinnerst, was die Funktionen von Kortisol sind, dann wirst Du hier vielleicht einen Widerspruch sehen. Letztendlich besteht eine der Funktionen von Kortisol darin, gespeicherte Energie (inklusive Fett) zu mobilisieren – und nicht zu speichern.

Genauer gesagt ist Kortisol ein Fettabbauhormon – zumindest wenn es pulsartg ausgeschüttet wird. Doch das bedeutet nicht, dass chronisch erhöhte Kortisolspiegel es nicht schwerer machen können Fett zu verlieren. Während eine kurzzeitige Erhöhung der Kortisolspiegel am Fettabbau beteiligt ist, kann eine chronische Erhöhung der Spiegel dieses Hormons den Fettabbauprozess schwerer machen.

Wie? Auf 2 Wegen…

 

1. Kortisol kann die Umwandlung von T4 in T3 reduzieren

T3 ist das Schilddrüsenhormon, das den größten Einfluss auf Deine Stoffwechselrate besitzt. Wenn die T3 Spiegel höher ausfallen, dann steigt Deine Stoffwechselrate und Du verbrennst auf täglicher Basis mehr Kalorien.

Wenn die T3 Spiegel sinken, dann sinkt auch Deine Stoffwechselrate. T4 besitzt hingegen keinen so großen Einfluss auf die Stoffwechselrate. Dein Körper produziert T4 und wandelt es in der Menge in T3 um, in der er es als sicher für das Überleben des Körpers ansieht.

Wenn es Dir jedoch chronisch an Energie mangelt, wird Dein Körper die Umwandlung von T4 in T3 herunterfahren, wodurch die Stoffwechselrate sinkt. Wenn während unserer Evolution die Kortisolspiegel chronisch erhöht waren bedeutete dies, dass wir nicht dazu in der Lage waren Nahrung zu finden und als Resultat hiervon mussten die Kortisolspiegel hoch gehalten werden, um die Blutzuckerspiegel stabil zu halten und gespeicherte Energie zu mobilisieren.

Der Körper passte sich hieran an, indem er die T3 Spiegel reduzierte um Energie zu sparen. Damals benötigten wir diese Anpassung. Heute zutage können chronisch erhöhte Kortisolspiegel durch viele Stressoren ausgelöst werden und selbst wenn wir uns nicht im Zustand eines Energiemangels befinden, wird das chronische Kortisolproblem trotzdem zu einer reduzierten Umwandlung von T4 zu T3 führen.

 

2. Chronisch erhöhte Kortisolspiegel können zu einer Insulinresistenz führen

Kortisol erhöht die Blutzuckerspiegel. Als wir noch Höhlenmenschen waren, war das kein großes Problem, da die Kortisolspiegel nur dann stiegen, wenn wir körperlich aktiv sein mussten (kämpfen oder weglaufen) oder wenn es uns an Nahrung mangelt. Wir verwendeten die freigesetzte Glukose also zur Energieversorgung des Körpers.

Wenn Deine Blutzuckerspiegel jedoch steigen, wenn Du inaktiv bist, dann bleiben sie erhöht, was zu einer Hyperglykämie führt. Dein Körper will dies nicht und er wird Insulin ausschütten, um die Blutzuckerspiegel wieder in den normalen Bereich zu bringen. Alles ist gut, nicht wahr? Nicht wirklich.

Wenn die Kortisolspiegel chronisch erhöht sind, dann bedeutet dies, dass es kontinuierlich die Blutzuckerspiegel erhöht, was im Gegenzug zu einer regelmäßigen Insulinausschüttung führt. Dies kann wiederum zu einer Insulinresistenz führen.

Sowohl eine reduzierte Stoffwechselrate, als auch eine Insulinresistenz können es schwerer machen Fett zu verlieren. Nein, sie setzten die Gesetze der Thermodynamik nicht außer Kraft. Das Erreichen eines Kaloriendefizits ist immer noch das Wichtigste, wenn es um den Abbau von Fett geht. Wenn Kortisol jedoch die Stoffwechselrate senkt, dann bedeutet dies, dass es schwerer werden wird, ein Kaloriendefizit zu erreichen (und leichter wird, einen Kalorienüberschuss zu erreichen).

Du solltest im Hinterkopf behalten, dass Insulin alleine Dich nicht fett machen wird. Es kann lediglich die Nährstoffe speichern, die Du isst – es generiert keine neuen Nährstoffe. Wenn Du ein Kaloriendefizit einhältst und über hohe Insulinspiegel verfügst, dann wirst Du kein Fett aufbauen.

Insulin kann es jedoch schwerer machen gespeichertes Fett zu mobilisieren. So lange Insulin über den Basiswert hinaus erhöht ist, wird es schwerer sein, Fett effizient zu mobilisieren. Wenn Du insulinresistent bist, bedeutet des, dass Deine Zellen nicht gut auf Insulin reagieren. Als Resultat hiervon musst Du mehr Insulin produzieren, um dieselbe Aufgabe zu erfüllen. Wenn Du mehr Insulin produzierst, dann dauert es länger, bis die Insulinspiegel wieder sinken. Wenn diese länger erhöht bleiben, dann verbringst Du mehr Zeit in einem Zustand, in dem die Fettmobilisierung weniger effizient ist.

Kortisol ist kein Fettaufbauhormon, aber eine chronische Erhöhung der Kortisolspiegel kann es schwerer machen, im Laufe der Zeit Fett zu verlieren.

 

Kortisol und die Regeneration

Kortisol wird einen negativen Einfluss auf Deine Regeneration besitzen, wenn es chronisch erhöht ist.

  1. Kortisol führt zu erhöhten Adrenalinspiegeln. Das ist vor einer Trainingseinheit toll, aber nicht so gut, wenn Du zu Bett gehen willst.
  2. Es hemmt Deine Wachstumshormonproduktion. Seltsamerweise haben in vitro Studien (im Reagenzglas ausgeführte Studien) gezeigt, dass Kortisol die Wachstumshormonspiegel erhöhen kann, aber in vivo Studien (Studien mit lebenden Menschen) haben gezeigt, dass Kortisol die Wachstumshormonproduktion senkt. Wenn Deine Kortisolspiegel nachts erhöht sind – wenn Deine normale Wachstumshormonproduktion am stärksten ausfällt – dann wird dies Deinen Regenerationsprozess und Deine Fortschritte ernsthaft beeinträchtigen.
  3. Es reduziert die Glykogenspeicherung, welche einen wichtigen Teil Deiner Regeneration nach dem Training darstellt.
  4. Es kann Deine Muskelreparatur verlangsamen. Dies geht darauf zurück, wie Kortisol das Muskelwachstum beeinflusst…siehe oben.

 

Kortisol und das Wohlbefinden

Chronisch erhöhte Kortisolspiegel beeinträchtigen das Wohlbefinden – insbesondere das mentale Wohlbefinden. Das Ganze ist jedoch etwas komplizierter, weil Kortisol die Neurotransmitter beeinflusst. Der Schlüsselpunkt, an den Du Dich in diesem Zusammenhang erinnern solltest ist, dass Kortisol zu einer Erhöhung der Adrenalinspiegel führt. Wenn Kortisol chronisch erhöht ist, führt dies zu Folgendem:

  1. Kortisol kann zu einer Entleerung der Noradrenalinspeicher führen. Adrenalin wird aus Noradrenalin hergestellt. Wenn zu viel Noradrenalin in Adrenalin umgewandelt wird, kann dies zu einer Entleerung der Noradrenalinspeicher führen. Letzteres führt zu einem reduzierten Fokus, einem niedrigen Blutdruck und potentiell zu Depressionen und Ängstlichkeit.
  2. Es kann zu einer Entleerung der Dopaminreserven führen. Noradrenalin wird aus Dopamin hergestellt. Wenn es zu einer Adrenalin Überproduktion kommt, dann riskierst Du eine Entleerung der Dopaminspeicher. Symptome niedriger Dopaminspiegel umfassen einen Mangel an Motivation, einen Mangel an Vergnügen, Depressionen und Antriebslosigkeit.
  3. Es kann die beta-adrenergenen Rezeptoren desensibilisieren. Wenn Dein Körper zu viel Adrenalin produziert – und insbesondere wenn dies rund um die Uhr geschieht, wie dies bei chronisch erhöhten Kortisolspiegeln der Fall ist – dann riskierst Du eine Desensibilisierung Deiner beta-adrenergenen Rezeptoren. Der Körper mag es nicht, rund um die Uhr durch Adrenalin angeregt zu werden, da dies nicht sicher ist. Chronisch erhöhte Adrenalinspiegel können zu hohem Blutdruck führen, was ernsthafte Folgen für das Herz-Kreislaufsystem haben kann. Eine Desensibilisierung der Rezeptoren ist ein Schutzmechanismus hiergegen. Dein Körper hört also auf damit auf Adrenalin zu reagieren (oder die Reaktion fällt schwächer aus). Dies führt zu reduzierter Energie, Motivationslosigkeit, mangelndem Antrieb, einer niedrigeren Leistungsfähigkeit, Faulheit und Depressionen.
  4. Es kann die Produktion und die Transmission von Glutamat erhöhen (1). Auch wenn dies Dein Arbeitsgedächtnis in einer stressigen Situation effektiver machen kann, kann eine exzessive Erhöhung der Glutamatspiegel zu Stimmungsschwankungen, Depressionen und übermäßige Emotionen, sowie dazu, dass Du alles persönlich nimmst, führen. Ganz zu schweigen davon, dass exzessives Glutamat neurotoxisch sein kann.

 

Die Wirkungen von Kortisol sind noch viel weitreichender als dies, aber das ist die Essenz des Ganzen. Das Fazit? Kurze Schübe an Kortisol zur rechten Zeit (am Morgen und wenn Du trainierst) sind sehr nützlich, aber eine chronische Erhöhung kann schnell problematisch werden, wenn Du gut aussehen und Dich gut fühlen willst.

 

Wie Du Deine Kortisolspiegel unter Kontrolle halten kannst

Ich werde auf die Voodoo Empfehlungen wie „Mache Deinen Frieden mit dem Universum“ verzichten. Stattdessen werde ich Trainings- Ernährungs- und Supplementstrategien betrachten.

 

Training

Es gibt drei Hauptkomponenten des Trainings, die die Kortisolausschüttung beeinflussen. Um diese zu kontrollieren, solltest Du vermeiden, einen hohen Level von 2 (oder allen 3) dieser die Kortisolausschüttung erhöhenden Faktoren zu kombinieren.

  1. Trainingsvolumen: Je mehr Arbeit Du verrichtest, desto mehr Energie benötigst Du. Je mehr Energie Du benötigst, desto mehr Kortisol wirst Du ausschütten, um die notwendigen Energiequellen zu mobilisieren.
  2. Notwendige Anstrengung: Je höher Du auf der Skala der Rate der empfundenen Anstrengung gehst, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Satz eine Menge Kortisol ausschütten wird. Wenn Du bis zum Muskelversagen gehst, dann ist es wahrscheinlicher, dass Du eine Menge Kortisol produzierst, als wenn Du den Satz 3 bis 4 Wiederholungen vor Erreichen des Muskelversagens beendest.
  3. Psychologischer Stress: Wenn ein Satz oder eine Übung als sehr stressig empfunden werden, dann wird Dein Körper eine Menge Kortisol ausschütten. Wen Du z.B. versuchst bei Kniebeugen einen neuen persönlichen Rekord aufstellen willst, dann wird dies in einem starken Kortisolschub resultieren.

 

Auch komplexe Übungen wie Kniebeugen, Kreuzheben oder die Übungen des olympischen Gewichthebens werden mehr Kortisol als Curls oder Maschinentraining ausschütten. Weniger Komplexität bedeutet weniger psychologischen Stress. Und wenn Du eine neue Übung lernst, dann kann dies zu einem signifikanten Kortisolschub führen – insbesondere dann, wenn diese Übung komplex ist.

Ich habe Leute gesehen, die beim ersten üben von Snatch Griff High Pulls mit der leeren Stange schweißgebadet waren. Das Schwitzen kommt von der Adrenalinausschüttung die durch Kortisol angeregt wird.

Wenn Du dies verstanden hast, dann kannst Du Dir leicht eine Strategie zu Minimierung der Kortisolausschüttung zusammenstellen. Hier sind einige Schritte zur Vorsicht, an die Du Dich halten solltest:

  • Wenn Du ein hohes Arbeitsvolumen verwendest, dann solltest Du Dich bei den einzelnen Sätzen nicht bis an Deine Grenzen fordern.
  • Reduziere das Gesamtvolumen, wenn Du eine Menge komplexe Übungen ausführst.
  • Meide es, bei schweren Mehrgelenksübungen bis zum Muskelversagen zu gehen.
  • Halte das Volumen niedrig, wenn Du sehr schweres Training (im Bereich von 92,5%+ des 1RM Gewichts) mit in Dein Trainingsprogramm aufnimmst.
  • Wenn Du eine neue Übung in Dein Programm aufnimmst, dann reduziere das Gesamtvolumen, bis Du diese Übung beherrschst.
  • Wenn Du Dich selbst härter antreibst oder eine gute Menge an Volumen verwendest, dann solltest Du Deine Übungen nicht zu oft wechseln und nicht zu viele Übungen während einer Trainingseinheit verwenden.
  • Wenn Du 2 (oder alle 3) die Kortisolausschüttung erhöhende Faktoren kombinierst, dann reduziere die Anzahl der Trainingseinheiten, die Du pro Woche ausführst. Ziele auf eine niedrige Trainingsfrequenz (3 Trainingseinheiten pro Woche) ab, oder Du wirst regelmäßige Entladewochen benötigen.

 

Ernährung

Eine Funktion von Kortisol ist die Aufrechterhaltung stabiler Blutzuckerspiegel. Kortisol erhöht diese, wenn sie zu niedrig sind. Ein Weg zur Minimierung der Kortisolspiegel besteht darin, Kohlenhydrate zu essen. Oder genauer gesagt stabile Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten.

Das ist der Grund dafür, dass ich bei Menschen, die chronisch gestresst sind, keine sehr kohlenhydratreichen Ernährungsformen mag. Sicher, Du der Körper kann Glukose aus Aminosäuren herstellen, um stabile Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten. Und nur weil Du Dich ketogen ernährst muss das nicht bedeuten, dass Dein Körper mit Kortisol überflutet wird. Aber fast keine Kohlenhydrate zu essen wird, wenn Du sehr aktiv bist, wahrscheinlich zu höheren Kortisolspiegeln führen.

Eine super kohlenhydratreiche Ernährung ist jedoch auch nicht besser, da sie zu starken Blutzuckerschwankungen führen kann. Wenn Du aber etwa 30% Deiner Kalorien in Form von Kohlenhydraten zu Dir nimmst – idealerweise aus niederglykämischen Quellen - dann wird dies dabei helfen, Deine Kortisolspiegel unter Kontrolle zu halten.

Ich esse Kohlenhydrate gerne rund um meine Trainingseinheiten und am Abend um meine Kortisolspiegel (und meine Adrenalinspiegel) zu senken. Erinnere Dich daran, dass Du Deine Kortisolspiegel am Abend senken solltest, um Schlaf und Regeneration zu fördern.

 

Supplements

Es gibt viele Strategien die Du verwenden kannst, um Kortisol unter Kontrolle zu halten. Du solltest Deine Kortisolspiegel jedoch nicht völlig auslöschen – Du brauchst sie, um hart trainieren zu können. Du musst allerdings dazu in der Lage sein sie wieder zu senken, wenn dies notwendig ist.

  1. Verwende die richtige Trainingssupplementation. Leicht verdauliche Kohlenhydrate während dem Training können die Kortisolspiegel senken, indem sie Energie liefern. Wenn Deinem Körper ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen, dann muss er nicht so viel gespeicherte Energie mobilisieren, was bedeutet, dass er weniger Kortisol produzieren muss. Dies ist besonders effektiv, wenn Du einen hochvolumigen Trainingsplan befolgst.
  2. Verwende Vitamin D. Dies ist während stressiger Phase besonders wichtig. Vitamin D reduziert den Einfluss von Kortisol auf die Umwandlung von Noradrenalin in Adrenalin. Auch wenn dies die Kortisolspiegel nicht direkt reduziert, verhindert es eine exzessive Adrenalinproduktion, was dabei helfen kann, eine Erschöpfung des ZNS zu verhindern.
  3. Verwende Magnesium nach dem Training und am Abend. Magnesium reduziert die Bindung von Adrenalin an den adrenergenen Rezeptor und kann dabei helfen, Dich zu beruhigen, während es Deine adrenergenen Rezeptoren schützt (indem es sie empfindlich hält).
  4. Verwende Rhodiola am Morgen. Rhodiola hilft dabei, die stimulierenden und hemmenden Neurotransmitter im Gleichgewicht zu halten und kann darüber hinaus die Kortisolspiegel senken.
  5. Ich verwende gerne Glycin nach dem Training und am Abend. Glycin ist ein neurologischer Hemmer. Es reduziert die Aktivität des Nervensystems, wenn dieses zu stark angeregt ist und reduziert darüber hinaus Kortisol und Adrenalin. Des Weiteren erhöht Glycin die Menge an zirkulierendem Serotonin (der Wohlfühlneurotransmitter, der auch die Stimmungslage ins Gleichgewicht bringt) und aktiviert mTOR, was die Proteinsynthese nach dem Training erhöhen wird.
  6. Verwende ein gutes Schlafsupplement mit Inhaltsstoffen wie GABA und 5-HTP, welches die Serotonin und GABA Spiegel im Gehirn erhöht. Diese beiden hemmenden Neurotransmitter werden es Dir erlauben einen erholsameren Schlaf zu bekommen, was es Dir ermöglicht einen normalen Kortisol Tag-Nacht Rhythmus wiederherzustellen.

 

Fazit

Kortisol ist nicht per se böse. Es wird für das Überleben und um in stressigen Situationen funktionieren zu können benötigt. Wenn die Kortisolspiegel jedoch chronisch erhöht sind, kann dieses Hormon zu einem Feind für Körperkomposition und Gesundheit werden. Während wir es nicht vollständig eliminieren wollen, ist es doch wichtig, die Spiegel dieses Hormons unter Kontrolle zu halten, um Deine Ziele zu erreichen, was insbesondere dann gilt, wenn Du ein stressiges Leben führst.

 

Referenzen

1. Popoli M, Yan Z, McEwen BS, Sanacora G. The Stressed Synapse: The Impact of Stress and Glucocorticoids on Glutamate Transmission. Nat Rev Neurosci. 2011;13(1):22–37. Published 2011 Nov 30. Doi:10.1038/nrn3138

 

Quelle: https://www.t-nation.com/training/the-best-damn-cortisol-article-ever

Von Christian Thibaudeau

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