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Melatonin

Melatonin, die Wunderdroge

Die Liste der Leiden, die das Hormon angeblich kurieren kann, erinnert an Versprechungen mittelalterlicher Bader: Als ewiger Jungbrunnen soll es die Alterung stoppen, freie Radikale fangen, Krebs bekämpfen, vor Schlaganfall, Verkalkung und Herzinfarkt schützen, vor plötzlichem Kindstod, Gedächtnis- wie Libidoverlust, Schnupfen, AIDS, Schizophrenie, prämenstruellen Beschwerden und Alzheimer bewahren und schlank machen. Obendrein soll Melatonin auch noch für erotische Träume sorgen - heißt es.


Hormon der Dunkelheit

Melatonin (N-acetyl-5-methoxytryptamin) ist ein Hormon, das in der Zirbeldrüse (Epiphyse), einem Teil des Zwischenhirns aus Serotonin produziert wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Alkaloid, das vom Tryptamin abgeleitet ist. Die Summenformel lautet C13H16N2O2. Die Molmasse beträgt 232,28 Gramm pro Mol.

Der Metabolismus des Melatonins findet in der Leber statt, die Ausscheidung erfolgt schließlich über den Urin. Bei Einfall von Tageslicht in das Auge wird die Ausschüttung von Melatonin eingestellt, in der Nacht wird Melatonin abgegeben und wirkt schlaffördernd. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger Melatonin, dies ist einer der Gründe für Schlafstörungen bei alten Menschen. Auch bei Fernreisen kann der Melatoninhaushalt durch die Zeitumstellung Jet-Lag gestört werden, gleiches gilt bei Schichtarbeit.
Erholsamer Schlaf ist wichtig für ein funktionierendes Gedächtnis. Einer der Gründe dafür könnte der Einfluss von Melatonin auf den Hippokampus sein. Diese Region im Gehirn ist wichtig für das Lernen und Erinnern. Durch die Wirkung von Melatonin ist die neurophysiologische Grundlage von Lernen und Gedächtnis, die synaptische Plastizität, einem deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen. In Amerika gilt Melatonin seit 1994 als "Nahrungsergänzungsmittel" und darf frei verkauft und bestellt werden.


Vom Froschhormon zur Wunderpille

Lange bevor die chemische Formel des Melatonins entschlüsselt war, wusste man, dass Frösche mit seiner Hilfe ihre Hautfarbe verändern konnten. Dieser Eigenschaft verdankt der Stoff auch seinen Namen: Die Farbzellen in der Haut werden als Melanozyten bezeichnet, und -tonin bedeutet soviel wie zusammenziehen, denn der Farbumschlag kommt durch das Zusammenziehen der Pigmentzellen zustande. Bis zur Melatoninpille war es allerdings noch ein weiter Weg. Erst in den 60er Jahren gelang es, das Hormon im Labor nachzubauen. Damit begann ein Siegeszug des "Wundermittels", der seinen Höhepunkt Mitte der 90 Jahre erreichte. Kritiker sprachen angesichts der enormen Nachfrage von einer kollektiven "Melatonin-Madness": In Kalifornien beispielsweise wurden 1995 mehr Dollar für Melatonin ausgegeben als für Aspirin.


Radikalen-Fänger

Wissenschaftlich solide Belege für die meisten der angepriesenen Gesundheitswirkungen fehlen bis heute. Zumeist handelt es sich um maßlos übertriebene Erwartungen auf der Grundlage von Tierversuchen mit Ratten und Mäusen – die als nachtaktive Nagetiere in diesem Fall denkbar ungeeignet sind.

Auch die dreiste Behauptung, Melatonin verlängere das Leben, basiert auf einer fehlerhaft angelegten Studie. Der Altersforscher Walter Pierpaoli hatte senilen Mäusen Melatonin ins Trinkwasser geträufelt – mit dem Resultat, dass sie länger lebten. Der Knackpunkt: Die Mäuse waren aufgrund eines genetischen Defekts überhaupt nicht in der Lage, körpereigenes Melatonin zu bilden. Die Hormongabe im Trinkwasser sorgte bestenfalls dafür, dass sich eine durch Hormonmangel verkürzte Lebensspanne normalisierte.
Dass Melatonin antioxidativ wirkt, d.h. aggressive freie Radikale abfangen kann, ist dagegen unbestritten. Daraus darf jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass es auch vor Herzinfarkten, Krebs und Alterungsprozessen schützt, jenen Leiden, die auf zu viele freie Radikale zurückgeführt werden. Auch hierzu gibt es keine brauchbaren Studienergebnisse.

 

Gegen Schlafstörungen

In seiner ursprünglichen Wirkung als Vermittler zwischen Dunkel und Hell ist Melatonin am besten untersucht. Das Hormon macht müde, und davon können vor allem Senioren, Jetlag-Geplagte und Schichtarbeiter profitieren: Niedrig dosierte Melatoninpillen verhelfen ihnen zum ersehnten Schlaf. Der Vorteil gegenüber anderen Schlafmitteln: Es gibt keinen Kater am folgenden Morgen. Auch blinde Menschen, deren Tag-Nacht-Rhythmus gestört war, profitierten im Rahmen von Studien von Melatonin. Die Einnahme sorgte dafür, dass sie nicht mehr mitten in der Nacht putzmunter aufwachten und tagsüber ständig unter Müdigkeit litten. Wie beim Jetlag wurde die innere Uhr synchronisiert. Sehenden Menschen gelingt das jedoch auch mit ganz gewöhnlichem Tageslicht!

Entscheidend für die Wirkung von Melatonin ist der Zeitpunkt der Einnahme. Um ein Jetlag nach einem Flug in Richtung Westen zu verringern, müssten die Pillen mitten in der Nacht geschluckt werden. Zur falschen Zeit verabreichtes Melatonin kann die Körperrhythmen völlig durcheinander bringen, Schlafstörungen und Jetlag verstärken. Wer es tagsüber nimmt, riskiert bleierne Müdigkeit und eingeschränkte Fahrtüchtigkeit. Weil auch die Stimmung und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein können, rät das Arznei-Telegramm von einer Einnahme während des Tages ab.

 

Melatonin gegen Benzodiazepin-Abhängigkeit

Bei einer 43jährigen Frau, die seit 11 Jahren unter Schlafstörungen litt und seit langer Zeit mit Benzodiazepinen behandelt worden war, scheiterten alle Auslaßversuche an Entzugserscheinungen und einer Rebound-Insomnie. Mit Melatonin konnte der Patientin geholfen werden. Die orale Gabe von 1 mg Melatonin als Retardpräparat ermöglichte der Patientin, die Benzodiazepin-Medikation innerhalb von zwei Tagen komplett zu stoppen. Ihre Schlafqualität besserte sich, relevante Nebenwirkungen traten nicht auf.

Vor der Melatoninbehandlung hatte eine Urinuntersuchung Hinweise auf niedrige Melatoninkonzentrationen und ein Fehlen des typischen zirkadianen Sekretionsmusters geliefert.

 

Melatonin stimuliert Haarwachstum

Dermatologen der Friedrich-Schiller-Universität in Jena untersuchten erstmals die Wirkung einer äußerlichen Anwendung von Melatonin auf der Kopfhaut von Frauen, die an diffusem oder hormonell bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) litten. Von besonderem Interesse war für die Forscher, welchen Einfluss Melatonin auf die Wachstumsphase (Anagenphase) und die Ruhephase (Telogenphase) während des Haarwachstumszyklus hat.

An der randomisierten Doppelblindstudie nahmen 40 Frauen mit diffuser oder hormonell bedingter Alopezie teil. 6 Monate lang wendeten sie einmal täglich eine Lösung mit 0,1 % Melatonin bzw. Plazebo auf der Kopfhaut an. Zur Kontrolle der Haarwachstumsraten in der anagenen und telogenen Phase wurden Haarproben mikroskopisch (Trichogramm) analysiert. Darüber hinaus wurden während des gesamten Prüfzeitraums mit Blutproben die Melatonin-Blutspiegel kontrolliert.
Im Vergleich zu wirkstofffreiem Plazebo führte die äußerliche Anwendung von Melatonin zu einem signifikanten Anstieg der nachweisbaren Anagenhaare im Hinterhauptsbereich von Frauen mit androgenetischem Haarausfall. Bei Frauen mit diffusem Haarausfallmuster erhöhte sich hingegen die Anzahl der Anagenhaare im Stirnbereich signifikant unter dem Einfluss von Melatonin. Weniger ausgeprägt, aber bemerkbar, war die Zunahme von Anagenhaaren auch im Hinterhauptsbereich bei diffusem bzw. im Stirnbereich bei androgenetischem Haarausfall. Die Melatoninspiegel im Blutplasma stiegen zwar während der Therapie an, überschritten jedoch nicht die physiologischen Spitzenkonzentrationen während der Nachtruhe.
Die Ergebnisse dieser Pilotstudie belegen somit erstmals, dass die äußerliche Melatonin-Anwendung das Haarwachstum auch beim Menschen günstig beeinflussen kann. Worauf diese Hormonwirkung beruht, ist bislang unbekannt. Es wird angenommen, dass Melatonin den Beginn der anagenen Phase innerhalb des Haarwachstumszyklus stimuliert. (Dr. Eberhard J. Wormer, medizin.de)

 

Bedarf im Sport

Der Kraftsportler profitiert bei Zufuhr von Malatonin als Nahrungsergänzung von seinem schlaffördernden Effekt, was zu einer besseren Regeneration beiträgt und durch die antioxidative Wirkung, da gerade das Training verstärkt zu oxidativen Prozessen im Körper führt. Zudem hat Malatonin eine Cortisolhemmende, also antikatabole Wirkung, die insbesondere inter Stressbedingungen zutage tritt, da es eine erhöhte Sekretion von Vosotocin bewirkt. Aufgrund dieser Wirkung wäre langfristig eine Förderung des Muskelaufbaus denkbar.


Malatonin gilt als ungiftige und nebenwirkungsfreie Substanz. Trotzdem sollte man beim benutzen die angegebene Dosierung des jeweiligen Produktes beachten.


Referenzen

  1. Aoyama H, Mori N, Mori W (1987) Anto-glucocotticoid effects of melatonin on adult rats. Acta Pathol Jpn 37: 1143-8
  2. Maurizi CP (1990) The therapeutic pontential for tryptophan and melatonin: possible roles in depression, sleep, Alzheimer´s disease and abnormal aging. Med Hypotheses 31: 233-42
  3. Arndt K. (HG.) (2001) Handbuch Nahrungsergänzungen-Bedeutung und Anwendung leistungssteigernder Substanzen für Bodybuilding und Kraftsport. Seiten: 129-132

Sicherheit und Nebenwirkungen

Melatonin ist bei einer kurzzeitigen Einnahme oder auf die Haut aufgetragen für die meisten Erwachsenen wahrscheinlich sicher und unbedenklich. Es kann einige Nebenwirkungen inklusive Kopfschmerzen, kurzzeitigen Gefühlen von Depressionen, Schläfrigkeit am Tage, Schwindel, Magenkrämpfe und Reizbarkeit hervorrufen. Man sollte vier bis fünf Stunden nach der Einnahme von Melatonin nicht fahren oder Maschinen bedienen.

 

Vorsichtsmaßnahmen und Warnungen

Schwangerschaft und Stillzeit: Melatonin ist während der Schwangerschaft möglicherweise nicht sicher und unbedenklich und sollte deshalb von schwangeren Frauen nicht verwendet werden. Melatonin könnte außerdem den Eisprung beeinflussen, wodurch es für Frauen schwieriger werden kann, schwanger zu werden.

Es ist nicht genug über Sicherheit und Unbedenklichkeit von Melatonin während der Stillzeit bekannt, weshalb stillende Frauen sicherheitshalber auf Melatonin verzichten sollten.

Kinder: Melatonin sollte von Kindern nicht verwendet werden, da es für Kinder möglicherweise nicht sicher und unbedenklich ist. Aufgrund seiner Auswirkungen auf andere Hormone könnte es die Entwicklung während der Pubertät beeinträchtigen.

Hoher Blutdruck: Melatonin kann bei Menschen, die bestimmte Medikamente zur Kontrolle des Blutdrucks einnehmen, den Blutdruck erhöhen.

Diabetes: Melatonin könnte bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel erhöhen. Aus diesem Grund sollten Diabetiker, die Melatonin einnehmen, ihren Blutzuckerspiegel sorgfältig überwachen.

Depressionen: Melatonin kann Symptome von Depressionen verschlimmern.

Krampfanfälle: Melatonin könnte das Risiko für Krampfanfälle erhöhen.

 

Wechselwirkungen

Man sollte Melatonin nicht in Kombination mit folgenden Medikamenten einnehmen:

Sedativa (das ZNS unterdrückende Wirkstoffe)

Melatonin kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. Medikamente, die Schläfrigkeit verursachen, werden als Sedativa bezeichnet. Die Einnahme von Melatonin in Verbindung mit Sedativa könnte die Schläfrigkeit zu stark verstärken.

 

Bei einer Kombination von Melatonin mit folgenden Medikamenten sollte man vorsichtig sein:

Hormonelle Verhütungsmittel

Der Körper produziert Melatonin. Die Antibabypille scheint die Menge an Melatonin, die der Körper selbst herstellt, zu erhöhen. Eine Einnahme von Melatonin in Kombination mit der Antibabypille kann die Melatoninspiegel im Körper zu stark erhöhen.

 

Koffein

Koffein könnte die Melatoninspiegel im Körper senken. Eine Einnahme von Melatonin in Verbindung mit Koffein könnte die Wirksamkeit einer Melatonin Supplementation reduzieren

 

Fluvoxamin

Fluvoxamin kann die Menge an Melatonin, die der Körper absorbiert, erhöhen. Eine Einname von Melatonin in Kombination mit Fluvoxamin könnte Wirkungen und Nebenwirkungen von Melatonin verstärken.

 

Diabetesmedikamente                                       

Melatonin könnte den Blutzucker erhöhen. Diabetesmedikamente werden verwendet, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Durch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels könnte Melatonin die Wirkung von Diabetesmedikamenten reduzieren. Aus diesem Grund sollte der Blutzuckerspiegel sorgfältig überwacht werden, wenn man Diabetesmedikamente verwendet und Melatonin einnimmt. Es ist möglich, dass die Dosierung der Diabetesmedikamente angepasst werden muss.

 

Medikamente, die die Funktion des Immunsystems reduzieren

Melatonin könnte die Funktion des Immunsystems zu verbessern. Durch eine Verbesserung der Funktion des Immunsystems könnte Melatonin die Effektivität von Medikamenten reduzieren, die die Funktion des Immunsystems reduzieren.

 

Medikamente, die die Blutgerinnung verlangsamen

Melatonin könnte die Blutgerinnung verlangsamen. Die Einnahme von Melatonin in Verbindung mit Medikamenten, die auch die Blutgerinnung verlangsamen, könnte das Risiko für Blutungen und die Neigung zu Blutergüssen erhöhen.

Einige Medikamente, die die Blutgerinnung verlangsamen können, umfassen unter anderem Aspirin, Diclofenac (Voltaren), Ibuprofen, Naproxen und weitere.

 

Nifedipin GITS

Nifedipin GITS wird verwendet, um den Blutdruck zu senken. Eine Einnahme von Melatonin könnte die Wirksamkeit von Nifedipin GITS bezüglich der Senkung des Blutdrucks reduzieren.

 

Sedativa (Benzodiazepine)

Melatonin kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. Medikamente, die Schläfrigkeit verursachen, werden als Sedativa bezeichnet. Die Einnahme von Melatonin in Verbindung mit Sedativa könnte die Schläfrigkeit zu stark verstärken.

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