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Agavensirup

Agavensirup / Agavenektar

Die schädlichen Auswirkungen von Zucker gehören zu den wenigen Dingen, bei denen sich die meisten Gesundheitsexperten einig sind. Da viele Menschen versuchen Zucker zu meiden, erfreuen sich viele andere Süßungsmittel – sowohl künstliche, als auch natürliche – einer steigenden Beliebtheit.

Eines dieser Süßungsmittel ist Agavensirup, ein Süßungsmittel, das sich in vielen vermeintlich gesunden Nahrungsmitteln wiederfindet. Agavensirup wird als natürliche, für Diabetiker geeignete Zuckeralternative vermarktet, die keine starken Erhöhungen der Blutzuckerspiegel hervorruft. In der Realität könnte Agavensirup jedoch sogar noch schädlicher als gewöhnlicher Haushaltszucker sein. Dieser Artikel wird einen näheren Blick auf die Gründe hierfür werfen.

Was ist die Agave?

Die Agave ist im Süden der USA, Lateinamerika und Südamerika heimisch. Auch wenn die Agave im Bereich der westlichen Ernährung noch relativ neu ist, wird sie in Mexiko bereits seit hunderten – wenn nicht sogar tausenden - von Jahren verwendet.

Traditionell werden der Agave medizinische Eigenschaften zugeschrieben. Der Saft der Agave wird in Mexiko seit langem eingekocht, um ein Süßungsmittel zu produzieren, das als Miel de Agave bekannt ist (1). Der Zucker der Agave wird außerdem fermentiert, um Tequila herzustellen. In der Tat stellt Tequila heute zutage die am weitesten verbreitete Verwendung von Agave dar.

Wie viele andere Pflanzen auch, besitzt die Agave wahrscheinlich einige Gesundheitsvorzüge. Die Reinigung und die Verarbeitung bei der Herstellung von Agavensirup neigt jedoch dazu, einige – wenn nicht sogar alle – dieser Gesundheitsvorzüge zu zerstören.

Wie wird Agavensirup hergestellt?

Das, was heute zutage kommerziell als Agavensirup hergestellt wird, hat wenig mit dem traditionellen Süßungsmittel gemeinsam, das historisch von der mexikanischen Bevölkerung aus der Agave hergestellt wurde.

Der erste Schritte des Herstellungsprozesses ist derselbe: die Pflanze wird zunächst in Stücke geschnitten und ausgepresst, um den zuckerhaltigen Saft zu extrahieren. Auch wenn dieser Saft reich an Zucker ist, enthält er gesunde Ballaststoffe, die als Fruktane bezeichnet werden und mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit und die Insulinspiegel in Verbindung gebracht werden (2). Wenn dieser Saft jedoch zu Sirup weiterverarbeitet wird, werden die Fruktane extrahiert und in Fruktose aufgebrochen, indem der Saft erhitzt wird und/oder durch Enzyme weiterverarbeitet wird (3, 4). Dieser Prozess – der dem Prozess der Herstellung anderer ungesunder Süßstoffe wie fruktosereichem Maussirup sehr ähnlich ist – zerstört alle gesundheitsfördernden Eigenschaften der Agave Pflanze.

  • Zusammenfassung: Der heute erhältliche Agavensirup wird unter Verwendung von Hitze und Enzymen hergestellt, wodurch alle potentiellen Gesundheitsvorzüge zunichte gemacht werden. Das Endprodukt ist ein stark raffinierter, ungesunder Sirup.

Agavensirup besitzt nur einen geringen Einfluss auf die Blutzuckerspiegel

Der glykämische Index ist ein Maß dafür, wie schnell die in einem Nahrungsmittel enthaltenen Kohlenhydrate als Zucker in den Blutkreislauf gelangen. Mit anderen Worten ausgedrückt verursachen Nahrungsmittel mit einem hohen GI einen stärkeren Anstieg der Blutzuckerspiegel und können einen negativeren Einfluss auf die Gesundheit besitzen (5, 6, 7).

Anders als Glukose erhöht Fruktose den Blutzuckerspiegel und die Insulinspiegel nicht – zumindest kurzfristig gesehen. Dies ist der Grund dafür, dass fruktosereiche Süßungsmittel häufig als gesund oder für Diabetiker geeignet vermarktet werden.

Agavensirup besitzt einen sehr niedrigen GI – was primär damit zusammenhängt, dass nahezu der gesamte enthaltene Zucker aus Fruktose besteht. Zumindest im Vergleich zu regulärem Zucker enthält Agavensirup nur sehr wenig Glukose.

Eine aktuelle mit Mäusen durchgeführte Studie verglich die stoffwechseltechnischen Auswirkungen von Agavensirup und Sucrose (Haushaltszucker) über einen Zeitraum von 34 Tagen. Die Mäuse, die Agavensirup bekamen, nahmen weniger an Gewicht zu und wiesen auch niedrigere Blutzucker- und Insulinspiegel auf (8). Bei solchen kurzfristigen Studien erhöht die in Haushaltszucker enthaltene Glukose sowohl Blutzucker- als auch Insulinspiegel, was bei Fruktose nicht der Fall ist.

Der GI ist jedoch nur ein Faktor, den man berücksichtigen sollte, wenn man die Auswirkungen von Süßungsmitteln auf die Gesundheit vergleicht. Die schädlichen Auswirkungen von Agave – und von Zucker im Allgemeinen – haben nur wenig mit dem glykämischen Index und sehr viel mehr mit den hohen Mengen an Fruktose zu tun – und Agavensirup ist sehr reich an Fruktose.

  • Zusammenfassung: Agavensirup ist arm an Glukose und besitzt deshalb nur geringe Auswirkungen auf die Blutzuckerspiegel. Dies verleiht Agavensirup einen niedrigen glykämischen Index.

Agavensirup ist sehr reich an Fruktose

Zucker und fruktosereicher Maissirup enthalten zwei einfache Zucker: Glukose und Fruktose in einem Verhältnis von etwa 1:1. Auch wenn Fruktose und Glukose ähnlich aussehen, besitzen sie doch recht unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper.

Glukose ist ein sehr wichtiges Molekül. Es findet sich in vielen gesunden Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse wieder – und selbst der Körper stellt es her, um sicherzugehen, dass immer genügend Glukose vorhanden ist. Jede lebende Zelle auf diesem Planeten enthält Glukose, da dieses Molekül lebenswichtig ist.

Doch während jede Zelle des Körpers Glukose verstoffwechseln kann, ist die Leber das einzige Organ, das Fruktose in signifikanten Mengen verstoffwechseln kann (9). Der Verzehr großer Mengen an Fruktose kann deshalb verheerende Auswirkungen auf die Stoffwechselgesundheit besitzen (10). Dies hängt damit zusammen, dass die Leber überlastet wird und damit beginnt, Fruktose in Fett umzuwandeln, welches die Triglyzeridspiegel im Blut erhöht. Viele Wissenschaftler glauben, dass ein Teil dieses Fettes in der Leber eingelagert wird und zur Entwicklung einer Fettleber führen kann (11, 12, 13).

Auch wenn Fruktose die Blutzuckerspiegel kurzfristig nicht erhöhen mag, kann sie doch zu einer Insulinresistenz beitragen, wenn sie in großen Mengen konsumiert wird. Dies kann zu einer deutlichen Erhöhung der langfristigen Blutzucker- und Insulinspiegel führen und das Risiko für die Entwicklung des metabolischen Syndroms und Typ 2 Diabetes stark erhöhen (14, 15).

Darüber hinaus kann eine hohe Fruktosezufuhr die Spiegel des „schlechten“ LDL Cholesterins und des oxidierten LDL Cholesterins erhöhen, sowie zu einer Fetteinlagerung im Bauchbereich beitragen (16). Vor diesem Hintergrund sollte man im Hinterkopf behalten, dass Agavensirup zu 85% aus Fruktose besteht – was sehr viel mehr Fruktose als bei Haushaltszucker ist (17). Nichts hiervon trifft hingegen auf Obst zu, welches mit Ballaststoffen vollgepackt ist und schnell ein Sättigungsgefühl hervorruft. Der Körper kommt mit den Mengen an Fruktose, die natürlich in Obst vorkommen, gut zurecht.

  • Zusammenfassung: Da Agavensirup sehr viel mehr Fruktose als regulärer Zucker enthält, weist er ein höheres Potential für negative Auswirkungen auf die Gesundheit, wie eine gesteigerte Fetteinlagerung im Bauchbereich und die Entwicklung einer Fettleber auf.

Fazit

Wenn Du Deine Speisen süßen möchtest, dann ist Agavensirup nicht das Produkt der Wahl. Mehrere andere Süßungsmittel inklusive Stevia, Erythritol und Xylit sind sehr viel gesünder.

In der Tat könnte Agavensirup mit das schlechteste Süßungsmittel der Welt sein, da er regulären Zucker im direkten Vergleich gesund erscheinen lässt – was wirklich etwas heißen will.

Referenzen:

  1. https://link.springer.com/article/10.1007/s12231-009-9092-5
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17711612
  3. http://www.ajol.info/index.php/ajb/article/view/98718
  4. http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf902855q
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12081850
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10049982
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12081815
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25011004
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17921361
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23594708
  11. http://diabetes.diabetesjournals.org/content/54/7/1907.short
  12. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168827807004278
  13. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168827808001645
  14. http://www.nutritionandmetabolism.com/content/2/1/5
  15. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23460912
  16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12399260
  17. http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf3027342

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